Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Dank für Bilderspenden“

Liebe Leserinnen, liebe Leser,
vielen Dank für die Zusendung der vielen Bilder aufgrund meines Aufrufes Anfang Mai an alle Bilderspender!
Damit helfen Sie mir meine ortsgeschichtlichen Artikel immer, um sie anschaulicher zu machen, mit einem Bild oder Karte zu versehen. Trotz intensiver Recherche in diversen Quellen und Archiven konnte ich aber zu bestimmten Themen bisher keine Bilder finden. Nun konnten Dank Ihrer Hilfe einige Lücken geschlossen werden.
Zu einigen Themen scheint es aber leider weiterhin keine Bilder, Karten oder Zeichnungen (mehr) zu geben; vielleicht findet sich doch noch etwas?
früheres Kriegerdenkmal des 1. Weltkrieges an der nordöstlichen Außenmauer der St. Stephanuskirche
Tieffliegerangriff / Kriegsende 1945
Ausgrabung der Römervilla am Käsbachknie
früheres Aussehen des Gässle-Brünnele
Quelle „Schwarzer Brunnen“ am Ammertalnordhang nach der Schwärzer Halde und der anschließenden Klinge direkt vor dem Bauhofbeginn auf der gegenüberliegenden Ammersüdseite (vor der Verschüttung mit Steinbruchschutt)
Gasthaus „Engel“ in der Kurve am Ortsausgang Richtung Oberndorf (heute Gebäude Ehingerstraße 12)
Aber auch zu bekannten Motiven gibt es aber immer wieder interessante Bildfunde, wie die Zeichnung der St. Stephanus-Kirche aus den 50er Jahren zeigt.

St. Stephanus-Kirche von der Malerin Marie Schiele-Fliedner (1881-1970), Entringen, gemalt mit Buntstiften 1952, im Besitz der Familie Reinhold Bauer, Entringen, Bild: B. Dieter, Juni 2022

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).
Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Das Wasserschloss vor dem schickhardtschen Umbau“

Etwa zur selben Zeit als das „evang.“ Poltringer Bergschloss gebaut wurde (1613), wurde auch das „kath.“ Wasserschloss umgebaut (1608). Beide Baumaßnahmen liefen interessanterweise jeweils unter der Leitung von Heinrich Schickhardt, dem Hofbaumeister des Herzogtums Württemberg, der zu Poltringen noch weitere bauliche und persönliche Bezüge hatte. Daher ist Poltringen-Ammerbuch heute auch Teil der Europäischen Kulturstraße „Heinrich Schickhardt“, die von der Schweiz über Frankreich bis in unsere Region führt.

Für die Zeit nach dem Umbau gibt es einige Bilder und das Schloss hat bis heute dieses äußere Aussehen beibehalten. Für das Aussehen des Schlosses vor dem Umbau ist bisher nur ein einziges, hier gezeigtes Bild bekannt.

Dieses Aquarell des Wasserschlosses eines unbekannten Zeichners von Norden, das vor 1608 und ggf. schon im 16. Jahrhundert entstanden sein muss, ist Teil eines Aktenbündels. Diese Dokumentensammlung betrifft die jahrzehntelang dauernden Verhandlungen zwischen Österreich und Württemberg zu den komplizierten Besitzverhältnissen vor Ort, die sich durch die Herrschaftsrechte der beiden religiös verfeindeten Nachbarländer in Poltringen ergaben.

Man sieht auf dem steinernen Sockelgeschoß der vierflügelig angelegten alten Wasserburg, das Schickhardt für den Nachfolgerbau übernahm, einen einstöckigen Fachwerkaufsatz sitzen. Das Bild enthält bei näherer Betrachtung einige interessante Details, die so bisher nicht bekannt waren. Die Gebäude und Geländegegebenheiten tragen zudem meist eine Beschriftung. Diese lautet transkribiert im Uhrzeigersinn beginnend oben, im Norden mit dem Keller auf der anderen Ammerseite beginnend folgendermaßen (Transkription: Dieter Christ, Boris Dieter und Reinhold Bauer):

Hauptstaatsarchiv Stuttgart B 33 Bü 144
  • Am oberen Bildrand: „alles Wolken – – steinische – – Äcker“
  • Keller: „der alte Keller, im Lehenbrief bemelt (genannt)“
  • Mühle: „die eingenommene Müle“
  • Gebäude: „Sawstegen“ (Saustall, die drei zugeklappten Futtertröge sind erkennbar)
  • Scheuer: „Scheuer zum Schloß“
  • Acker: „Acker, der im Lehenbrief inßerirt“
  • Weg nach Oberndorf: „Fußpfad zu der Mühle, über österreichisch Acker“ (Ammerbrücke gab es wohl schon seit mindestens ca. 1600)
  • Ammer: „Das Wasser die Ammer genannt, so die Mühl treibt und allein Wolkenstein zugehörig“
  • Schloßscheuer: „Der neue Bau“
  • Westlicher Banngarten: „Baumgarten so Eigentumb“
  • Innenhof: „Der Schloßhof, darinnen die Fron all den Inhabern des Schloßes zugehörig, auch einzig allein von denselben eingezogen werden und der Burgfrid ist“
  • Pferdestall und Scheune: „Roßstall und Kornschütte zum Schloß“
  • Straße nach Reusten: „Straß zu d Pfarrkirch undt Closter“
  • Weinberge: „Wolkensteinische Weingärten“
  • Schloßweinberg- / Taläckerstraße: „Straß auf die Äcker“ (gegenüber der dort eingezeichneten etwaigen Kelter ist ein bisher unbekannter Keller- oder Stolleneingang eingezeichnet, eventuell der „neue Keller“ im Bau?)
  • Hottenberg: „alle Wolken …. stein …. nische …. Äcker“
  • Scheune: „Scheuer“
  • Wassergraben: „Schloßgraben“
  • Hauptstraße: „Straß zwischen den Weingarten so österreichisch und diselben Garten, darüber man zu der Mühle fahren muß“
  • Backhaus: „Backhaus zum Schloß, auch im Lehenbrief“
  • Taubenhaus und Roggenschütte: „Taubenhaus und Rokkenschütte“
  • Zusatztext unten links: „Dieser Abriss ist, nach und gegen Mittag, abgerissen und gemalt worden“
  • Weinberge: „Weingarten welche im Lehenbrief specificirt“
  • Schloß: „Das Schloss welches im Lehenbrief specifizirt und sehr baufällig“
  • Östlicher Banngarten: „Baumgarten im Lehenbrief angezogen“
  • Blasenbergstraße: „Ruina der gewesten Mül bei der Burg zu Boltringen“ (hier ist ein Steg über die Ammer zu sehen und dort stand früher die dritte Mühle von Poltringen neben der Schlossmühle und der späteren Sägmühle unten im Ort)
  • Aiblestraße/Ammerbegleitweg: „Fußpfad zum Dorff“

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Ehrenamtlicher Beauftragter

Seit dem 03.08.2022 hat auch Ammerbuch einen „Ehrenamtlichen Beauftragten in der archäologischen Denkmalpflege“. Wir freuen uns mitteilen zu können, dass unser Vereinsmitglied und Kassenprüfer Boris Dieter für dieses Ehrenamt vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart im Einvernehmen mit der Unteren Denkmalschutzbehörde im Tübinger Landratsamt für die Bereiche „Ammerbuch und Schönbuch“ bestellt wurde.Basis für diese Entscheidung waren u.a. seine heimatgeschichtlichen Recherchen für unseren Verein, aus denen seit 2018 zwei Bücher bzw. über 160 Artikel meist für das Amtsblatt entstanden sind, der Einsatz als stv. Vorsitzender des Ammerbucher Bürgervereins e.V. für die denkmalgeschützte Schlossscheuer, die spendenfinanzierte Geo-Radar-Prospektion des Gässle-Brünnele-Kanals im Sommer 2021, die Gründung des Ammerbucher „Grenzstein-Refugiums“ im April 2022 und seine Mitarbeit seit September 2021 bei der archäologischen Lehrgrabung in Reusten sowie der Fundbearbeitung in Tübingen.„Ehrenamtliche Beauftragte“ sind fachkundig geschulte Laien und unterstützen die staatliche Denkmalpflege in ihren praktischen Aufgaben vor Ort. Landesweit bilden Sie über alle 1.101 Gemeinden hinweg ein Netzwerk von über 250 freiwilligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und bilden ein Bindeglied zu örtlichen Institutionen. Im Regierungspräsidium Tübingen sind ca. 20 aktiv. Sie unterstützen bei:

  • der Beobachtung archäologischer Verdachtsflächen
  • der Überprüfung bekannter archäologischer Denkmale
  • dem Kontakt zu den Unteren Denkmalschutzbehörden
  • der Überwachung von Baumaßnahmen vor Ort
  • der Dokumentation und Bergung archäologischer Funde und Befunde
  • und bei Rettungsgrabungen

Sie sind lokal Auge, Ohr und Hand des Landesdenkmalamtes, kennen die örtlichen Gegebenheiten und relevanten Ansprechpartner, sind mit benachbarten Beauftragten und zertifizierten Sondengängern vernetzt, kennen wichtige Informationsquellen und sind durch ihre Präsenz vor Ort für die Bevölkerung einfach ansprechbar. Koordiniert werden die Beauftragten von den regional zuständigen, hauptamtlichen Gebietsreferenten des Landesdenkmalamtes.  Eine erste Beauftragung und Sicherstellung von Funden ergab sich dann auch schon durch gehäufte Knochenfunde in den „Gassäckern“ zwischen Flugfeld und Hardtwald.Ein nächstes Projekt in Abstimmung mit den Landesdenkmalamt könnte dann die Ausgrabung, Dokumentation und Reparatur der wohl zwei Leckstellen des Gässle-Brünnele-Kanals, um seine frühere Ergiebigkeit wieder herzustellen.Bestehen Fragen oder gibt es Fundhinweise, kann über 07073-300 769 oder heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de eine Kontaktaufnahme erfolgen. Alternativ kann auch der zuständige Gebietsreferent Dr. Marc Heise kontaktiert werden:  07071-757-24 13, marc.heise@rps.bwl.de

Amtlicher Lichtbildausweis der ehrenamtlich Beauftragten

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Poltringer Straßennamen erklärt – Teil 1“

Im Heimatbuch von 1971 sind auf den Seiten 15 bis 35 alle Gewannnamen der Gemarkung Poltringen im Detail und sehr anschaulich erklärt. Zu den Straßennamen gibt es etwas Ähnliches nicht. Es gibt nur zu allen Straßennamen Ammerbuchs auf der Homepage der Gemeinde ein „Straßenverzeichnis“ mit maximal sehr kurzen Erläuterungen.

Bei den meisten der über 50 Straßennamen in Poltringen braucht es auch keine größere Erläuterung, da ihre Bedeutung auf der Hand liegt. Dies ist der Fall bei allen Straßen mit Namen von Pflanzen (z.B. Wacholderweg oder Kiefernweg), Ortschaften (z.B. Entringer Straße oder Wendelsheimer Weg), Berühmtheiten (z.B. Schickhardtring oder Jahnstraße), (ehemalige) Gasthäuser (z.B. Hirschstraße und Engelstraße), Gewannnamen oder Bergen (z.B. Kornbergstraße, Haldenstraße, Aiblestraße oder Wasenbreite) oder mit den Namen von ehemaligen Ortsherren (z.B. Pfalzgrafenring oder Erbachstraße).

Ausschnitt aus „Ansichten der gräflich wolkensteinischen, teils eigenen, teils lehenbaren Schlösser samt Gärten, Umland, Neben- und Wirtschaftsgebäuden in Poltringen 1695“ (B 33 Büchel 63 Hauptstaatsarchiv Suttgart), mittig Rathaus und Turm mit Kreuz und Nummer 25, unten Ammer, rechts Bergschloss mit Weinberg unterhalb

Bei einigen Straßennamen ist aber die Bedeutung nicht so leicht zu erkennen. Diese sind daher hier, soweit Informationen dazu ermittelbar waren, erläutert:

Holzweg – Dies war der alte Hohlweg, der etwa die frühere Poltringer Säge an der Ammer hinter dem Gasthof „Adler“ bei der Ammerbrücke in direkter Linie mit dem Schönbuch und dem dortigen früheren Poltringer „Communewald“ (1821-1890) bei Hohenentringen verband. Er ist aber schon 1355 im Bebenhäuser Urbar als „Holtzweg“ und 1484 als „Bolltringer Holtzweg“ in einem Vergleich erwähnt. Die Sägerei ist aber erst ab etwa Mitte des 19. Jahrhundert belegt; der Weg wurde also schon seit alters her zum Holztransport genutzt.

Froschgasse – Diese Gasse trägt ihren Namen daher, dass dies früher ein sehr sumpfiger Feldweg zur Ammer hin war und es dort wahrscheinlich deswegen viele Frösche gab.

Turnerstraße – Hier gab es vor dem zweiten Weltkrieg einen Turnplatz. Dieser lag daher nicht weit entfernt vom alten Rathaus, in dem Schulräume und der Kindergarten war. Der Bereich wird auch „Ga(e)nswinkel“ genannt, da sich dort früher die Gänse des Dorfes sammelten, da es hier früher relativ flach in die Ammer ging.

Turmstraße – Der Straßenname rührt daher, dass das frühere Poltringer Rathaus über einen Gefängnisturm verfügte. Dies ist auf einer Panoramakarte von 1695 zu sehen. Nach einem Um- oder Neubau 1778 brannte dies aber schon 1783 ab und wurde ohne Turm in der Form wiedererrichtet, in der es dann in den 1970er Jahren zur Verbreiterung der Hauptstraße abgerissen wurde. Zudem ragte das alte Rathaus sowieso von der Straße, die von der Engelstraße und der Ammer zur Hauptstraße steil hinaufführte, turmartig hoch auf und verfügte dadurch über fünf Stockwerke: Gewölbekeller („Narrenhäusle“), Erdgeschoß Molkerei, früher Waage, 1.OG Kindergarten, 2.OG auf Hauptstraßenniveau Rathaus und Gefängnis, darüber dann noch zwei Dachgeschoße.

Banngarten – Dies war ein großes, umhegtes Gartengrundstück, welches der Nutzung durch die Schlossherrschaft vorbehalten war.
Sommerweg – Diesen Straßenname gibt es erst seit den 70er Jahren, vorher war dies ein Feldweg. Wahrscheinlich kam es zu der Benennung, da dies eine sehr sonnige und für den Weinbau gut geeignete Halde war. Daher war dort auch der „Schlossweinberg“ und heute die Schlossweinbergstraße.

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Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Familiennamen in Poltringen im 14. Jahrhundert“

Eine der ältesten Quellen für bürgerliche Familiennamen in unserer Region sind die sog. Urbare. Dies sind Auflistungen von Einnahmen und eventuell Ausgaben der regionalen Herrschaften. Nachfolgend sind drei ältesten bekannten aus dem 14. Jahrhundert aufgeführt.

Das Altwürttembergische Urbar von um 1350 ist das in Latein verfasste, erste Gesamtverzeichnis der Einnahmen der, damals noch, Grafschaft Württemberg. In diesem sind nur einzelne Familiennamen von Ortsherrschaften (von Ehingen, von Hailfingen, von Effringen) in Bezug zu „In Boltring“ dokumentiert, keine Namen Poltringer Bürger.

Das Bebenhäuser Urbar von 1356 ist das in Latein verfasste, erste Gesamtverzeichnis der jährlich wiederkehrenden festen und ertragsabhängigen Einnahmen von Bauern und Bürgern des 1191 gegründeten Klosters Bebenhausen aus seinem eigenen Grundbesitz und den Abgaben, die das Kloster anderen schuldete. In diesem sind folgende Familiennamen in Bezug zu „Boltringen“ bzw. „Oberkirch/Oberkirlich“, bei Beschreibung des Grundstücks als Abgabenschuldner oder Anlieger genannt, dokumentiert (in Klammer eigene, freie, sinngemäße Übertragung in modernes Deutsch, wenn notwendig):

  • Wernheri de Poltringen (Werner von Poltringen)
  • Anshelmus de Halvingen (Anselm von Hailfingen)
  • Hermanni de Owe (Herrmann von Ow)
  • de Ehingen (von Ehningen)
  • de Effringen (von Effringen)
  • Bertoldi Múrer (Berthold Maurer)
  • Uolen (Uhlen)
  • Uelen de Bernhusen (Ühlen von Bernhausen)
  • Cunradus Beben (Konrad Beben)
  • Seddenlin (Settelin)
  • Uloni (Ühloni)
  • Anshelmi (Anselm)
  • Blúme (Blüme)
  • Suter
  • Stival (Stiefel)
  • Halderin (Halder)
  • Linder
  • Stival (Stiefel)
  • H. Schimilli (Schimmel)

Das Schönbuch-Urbar von 1383 ist das erste Forstlagerbuch der Grafschaft Württemberg. Es ist in Deutsch verfasst. Ein Forstlagerbuch verzeichnet in Bezirken wie dem Schönbuch, in denen Württemberg die Forsthoheit hatte, die dortigen Waldnutzungsrechte und die Einkünfte. Vorher gab es keinerlei gesammelte Übersicht über diese Rechte. Für „Boltringen“, das dem „ober ampt (Oberen Amt)“ der herrschaftlichen Schönbuchverwaltung zugeordnet war und umfangreiche Nutzungsrechte am Schönbuch hatte, sind folgende Familiennamen dokumentiert:

  • Eberhart Selder
  • Uel
  • Aberlin Fronmayer
  • Bentz Bruehsel
  • Wernher Truemlin
  • Küng
  • Eberlin Sueter
  • Haintz der Vogkeler
  • Cuentz Schuler
  • Burchart Brun
  • Hans der Frie
  • Hans Foekler
  • Aberlin Schuetz
  • Felman
  • Haintz Hagen
  • Cuentz Huemel
  • Haintz der Murer
  • Hueg Hagen
  • Sueter
  • Walther
  • Eberhart Riser

Quellen zu „Altwürttembergisches Urbar“ 1350: Original im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Transkription nicht vorhanden; „Bebenhäuser Urbar“ 1356: Original im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Transkription in „Das Bebenhäuser Urbar von 1356“ (2015) von W. Wille; „Schönbuch Urbar“ 1383: Original im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, Transkription in „Württembergische Geschichtsquellen“, 23. Band (1934) von K. 0. Müller

Digitalisat der „Schönbuch Urbar“ Seite für Poltringen von 1383, Hauptstaatsarchiv Stuttgart (H 107/18 Bd. 1 – Blatt 19 R

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Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Neues vom historischen Gässle-Brünnele-Kanal“

Direkt am Feldweg Richtung Oberndorf, dem sogenannten „Gässle“, gibt es einen Brunnen, der „(Gässle-)Brünnele“ genannt wird. Bei einer Leckagereparatur der Zuleitungsröhre entdeckte man 1997 überraschenderweise, dass der Brunnen sein Wasser nicht wie vermutet direkt bergauf aus Richtung Heidenwald bezieht, sondern, dass sein Wasser aus einem bis dahin völlig unbekannten historischen Kanal Richtung Oberndorf stammt.

Bild von Osten des geöffneten trockenen Kanalstücks nach der Ableitung des Wassers zum Brunnen, Bild: B. Dieter, Oktober 2018

Der ca. 20 cm breite und hohe Kanal mit einer Steinabdeckung verläuft etwa 20 m von der Brunnenöffnung etwa 50 cm unter der Oberfläche fast senkrecht zur Zuleitungsröhre und weist parallel zum Feldweg Richtung Oberndorf bzw. dem Wald am Gewann „Vogelsang“ und verläuft vermutlich nach der Ableitung des Brunnenwassers dann Richtung Dorf oder Ammertal weiter. Er ist nach der Ableitung aber trocken.

Im Zusammenhang mit einer erneuten Öffnung des Kanals 2018 wurde dann eine Begutachtung und Dokumentation dieses Bodendenkmals durch das Landesdenkmalamt vorgenommen. Sie ergab einen geschätzten Bauzeitraum zwischen dem Jahr 1500 und spätestens 1800. Parallele Recherchen, auch im Ortsarchiv, in weiteren schriftlichen Quellen oder Karten, wohin der jahrhundertealte Kanal verläuft und wann oder warum er erbaut wurde, waren aber bisher leider erfolglos. Der Kanal ist seltsamerweise nirgends verzeichnet. Vielleicht sind Unterlagen über ihn beim Großbrand des Poltringer Rathauses Ende des 18. Jahrhunderts vollständig zerstört worden und er zeitgleich in Vergessenheit geraten.

Durch Analyse der geologischen und topografischen Gegebenheiten und eine hydrologische Wasseruntersuchung der Universität Tübingen, konnte dann aber der vermutete Quelltopf und Verlauf dorthin zumindest eingegrenzt werden, ist aber noch unsicher. Wohin der Kanal (im Dorf oder im Ammertal?) verlief, ist aber immer noch gänzlich unklar.

Um nähere Informationen zum Verlauf des Kanals Richtung Dorf und vor allem Richtung Quelltopf zu erlangen, ist geplant, im Sommer 2021 eine archäologische Fachfirma privat zu beauftragen. Diese könnte eventuell mit einem Bodenradar die Trasse des Kanals bis zum Quelltopf und vielleicht sogar Richtung Dorf ermitteln. Zudem könnte dann eventuell auch geklärt werden, warum der Brunnen, vielleicht durch Leckstellen oder Beschädigungen des Quelltopfes, früher erheblich mehr Wasser führte wie heute.

Spendenaufruf

Für die vorgenannte Georadaruntersuchung entstehen nicht unerhebliche Kosten (um die 1.000,00 €), die bisher schon größtenteils durch großzügige Spendenzusagen abgedeckt sind. Wer die Recherchen zum Verlauf und Quellort des historischen Kanals in Poltringen ebenfalls unterstützen möchte, kann daher bis 28.2.2021 eine zweckgebundene Spende anweisen an den Heimat- und Wanderverein Ammerbuch e.V. (IBAN: DE54 6416 1397 0067 1250 00, BIC: GENODES1AMM -Volksbank Ammerbuch eG), Verwendungszweck: „Spende Geo Radar“.

Die Spende kann steuerlich abgesetzt werden, die Spender werden über die weiteren Aktivitäten präferiert informiert und in der Dokumentation gerne genannt. Für eine Spendenbescheinigung bitte uns Adresse mitteilen. Vielen Dank im Voraus!

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Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Heimatpreis Baden-Württemberg 2020 Unser Geschichtsbuch: „Ein Dorf in 50 Geschichten“ schaffte es bis zur Endauswahl

Seit 1982 schreibt das Land Baden-Württemberg jährlich den „Landespreis für Heimatforschung“ aus. Er soll besondere Leistungen in der Erforschung der lokalen Geschichte und der Traditionen durch ehrenamtlich tätige Heimatforscher würdigen. In der Hauptkategorie war letztes Jahr auch unser Poltringer Geschichtsbuch „Ein Dorf in fünfzig Geschichten“ (Herausgeber: Heimat- und Wanderverein Ammerbuch e.V.) nominiert. Für einen ersten oder zweiten Platz hat es zwar nicht gereicht, aber das Buch wurde zu unserer Freude lobend erwähnt:

„Die Jury äußerte aber großen Respekt vor Ihrer Arbeitsleistung. Ihr Werk war solchermaßen qualifiziert, dass es die Endauswahl der Jurysitzungen erreicht hat.“

Wir gratulieren deshalb allen, die an diesem Buch beteiligt waren und wir gratulieren besonders unserem Autor Boris Dieter, der für unsere Heimatforschung eine große Bereicherung ist.

Mit ihrem Buchkauf unterstützen Sie unsere Vereinsarbeit. Es kostet 20,00 € und ist bei Papierkittel in Poltringen, bei unserem Autor Boris Dieter und bei Margot Sailer (070732127) erhältlich. Das Buch kann auch per Post oder persönlich zugestellt werden. Info: www.hwv-ammerbuch.de

Nähere Informationen zum Buch, Leseproben und die Besprechung im Schwäbischen Tagblatt können Sie auf der Homepage des Neckar-Alb-Verlages einsehen.

Die Vorstandschaft des Heimat- und Wanderverein Ammerbuch e.V.

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „1631 – Rottenburger Stadtarzt Johann Wittel aus Poltringen“

Ölgemälde „Schmerzensmann“ von 1631 in der St. Remigius-Kapelle Rottenburg-Wurmlingen, Bild: B. Dieter, März 2020

Mindestens im Jahre 1631 war der aus Poltringen stammende oder dort wohnhafte Dr. med. Johann Wittel Stadtarzt von Rottenburg. Er hatte in Freiburg seit 1608 Medizin studiert. Von ihm weiß man vor allem deswegen, da er einige Bücher in seinem Besitz hatte, die bis heute überdauert haben und in denen er durch eine Inschrift als Besitzer des Buches ausgewiesen ist.

Bei den Büchern handelt es sich um wertvolle, meist theologische Inkunabeln, d.h. Bücher, die vor 1501 gedruckt wurden. Buchdruck gab es damals ja überhaupt erst seit ca. 1450. In diesen Büchern ist er folgendermaßen unterschiedlich neben meist anderen früheren oder späteren Besitzern vermerkt: „Ex libris Joan: Wittell Boltring: m. Doct:“, „Ex libris Joan: Wittelij Boltringensis M. Doct:“, „Ex libris Joan Wittelij Boltring: med: Doct:“, „Ex libris Joan: Wittelij Boltringensis med: Doctoris“ oder „Ex libris Joan: Wittelij Baltring. med. Doct.“.

Von ihm gibt es zudem heute noch in der Wurmlinger Kapelle ein im Zusammenhang mit einer jährlichen Weinspende 1631 gestiftetes Bild: „Schmerzensmann“. Es hängt an der Nordwand der Kapelle im hinteren Bereich unter der Empore auf Augenhöhe.

Ein weiterer Hinweis auf ihn ergeben drei Dokumente über Kreditverträge aus Freiburg von 1622 und 1623 (Universitätsarchiv Freiburg, Bestand A 104 Urkunden der Stiftungsverwaltung, S. 110, Nr. 504-506).

Andere Quellen über ihn etwa in Rottenburg haben leider nicht überdauert. Dies liegt sicher auch an den zwei Rottenburger Stadtbränden von 1644 und 1735, in denen neben großen Teilen der Altstadt viel Archivgut in Flammen aufging.

Wo und ob er in Poltringen geboren wurde und wo er dort wohnte, ist leider bisher nicht bekannt.

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Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Poltringer Grenzsteine“

Es gibt an den ehemaligen Gemarkungsgrenzen der Gemeinde Poltringen einige schöne, noch erhaltene historische Grenzsteine. Da es durch die digitale Erfassung von Grundstücksgrenzen und die Eingemeindung Poltringens keinen Bedarf mehr an den Grenzsteinen gibt, sind viele aber auch zerstört, vergraben oder entfernt. Im Grenzprotokoll von 1767 sind etwa 100 Grenzsteine genannt.

Besondere Exemplare finden sich hier:

Gemarkungsgrenze zu Entringen

Hier gibt es ein schönes Exemplar auf dem Höhenrücken nördlich der Reithalle Poltringen und östlich des Flugfeldes. Der Grenzstein aus Sandstein markierte die Grenze der (Ge-) Markung Poltringen und Entringen. Er trägt daher auf der Nordseite die Markierung „M“ und „E“ (Markung Entringen) und auf der Südseite die Markierung „M“ und „P“ (Markung Poltringen).

Poltringer Schönbuchwald

An den ehemaligen Waldbesitz Poltringens 1820 bis 1890 im Schönbuch, zwei große verbundene Waldstücke nordöstlich und nordwestlich von Hohenentringen, erinnern auch noch zwei Grenzsteine. Weitere harren sicher der Entdeckung. Der eine liegt versteckt zwischen dem Wanderparkplatz am „Saurucken“ und dem Friedwald mitten im Wald am Füllesthäle und markierte damals das nördliche Ende des Poltringer „Communewaldes“ sowie heute des Friedwaldes. Der andere markiert, ebenfalls mitten im Wald versteckt, das östlichste Ende des ehemaligen Poltringer Waldes nordöstlich von Hohenentringen, am Südrand des südlichen Zweiges des Winterthälebaches und direkt am Wildgehegezaun.

Das Waldgrundstück unterhalb bzw. nordwestliche von Hohenentringen weist nach bisherigem Kenntnisstand keine „neuen“ Grenzsteine von 1821 mit Poltringer Markierung auf. Hier finden sich alte Grenzsteine mit Markierungen „HE/Hohenentringen“ oder „Abtsstab/PR + CB/Pflege Roseck + Closter Bebenhausen“.

Gemarkungsgrenze zu Pfäffingen

Hier gibt es im Heidenwald ein schönes Exemplar, das als Poltringer Kleindenkmal registriert ist. Es zeigt auf der Südseite den Adler der Familie von Gültlingen (früher Ortsherren von Pfäffingen 1527 bis 1699) und auf der Südseite vermutlich einen Abtsstab (für Bebenhausen) und drei Geweihstangen (für Württemberg). Das Alter des Steines ist unbekannt, durch die Inschriften dürfte er aber etwa 300-400 Jahre alt sein. Es liegt auf der Hügelkante des Heidenwaldes zum Sulztal hin etwa 5 Meter links des Weges auf dem Höhenrücken, wenn man den Fußweg ab dem Ende des Feldweges nach Poltringen wenige Meter Richtung Osten läuft.

Ebenfalls im Heidenwald gibt es ein weiteres sehr besonderes Exemplar, das bisher noch nicht dokumentiert ist und in einem eigenen Artikel beschrieben wird.

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

„Poltringer Grenzstein“ von 1821 von Osten aufgenommen, hinten „1821“ / „P“ (Poltringen), vorne „Hirschstange“ (Württemberg) und Nummerierung „245“ mitten im Wald am Winterthälebach, markierte die östlichste Grenze des Poltringer Gemeindewaldes

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Entstehung des Poltringer Klosters“

Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuwürttembergischen Lagerbüchern werden diese auch „Schwestern von Oberkirch“ genannt. Erstmals schriftlich erwähnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff Sälder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz Sälder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges älter, denn im Bebenhäuser Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am „Nunnenbrunnen“ genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich „Täle“ / „oberhalb der Stephanuskirche“ zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstraße liegen.

Begründet wurde das Kloster gemäß einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gründungsdatum, die Namen der Gründerinnen, noch deren Mitschwestern über die Jahrhunderte überliefert.

Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Diözese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: „Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10½ ß pro novem sororibus in presentia Georii Xeß, civis Tubingensis.“ (dt.: „Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden für ihre Person und 10½ Schilling für die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xeß, Bürger von Tübingen“. Der erhobene Steuersatz für die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der Äbtissinen der erheblich größeren und älteren Frauenklöster von Säckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schließen lässt.

Bei Gregor Xeß könnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in ähnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der Sülchenkirche erwähnt. Da er ein Bürger der Stadt Tübingen war, könnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt Tübingen standen.

Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den „Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz“ von 1941 für den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen bestätigt hatte.

Ausschnitt aus B 33 Büchel 63 HStA „Ansichten der gräflich wolkensteinischen, teils eigenen, teils lehenbaren Schlösser samt Gärten, Umland, Neben- und Wirtschaftsgebäuden in Poltringen 1695“, (Nr. 22 „Ammerbach“ mit Furt ohne Brücke, Nr. 23 „St. Stephanus-Kirche“ mit Turm damals Richtung Osten, Nr. 23 ½ „Nonnenhaus, samt zugehörigem Garten“, Nr. 24 „Weg auf Oberndorf“), im Hintergrund durchgehend Weinberge auf den Ammersüdhängen

Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuwürttembergischen Lagerbüchern werden diese auch „Schwestern von Oberkirch“ genannt. Erstmals schriftlich erwähnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff Sälder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz Sälder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges älter, denn im Bebenhäuser Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am „Nunnenbrunnen“ genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich „Täle“ / „oberhalb der Stephanuskirche“ zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstraße liegen.

Begründet wurde das Kloster gemäß einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gründungsdatum, die Namen der Gründerinnen, noch deren Mitschwestern über die Jahrhunderte überliefert.

Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Diözese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: „Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10½ ß pro novem sororibus in presentia Georii Xeß, civis Tubingensis.“ (dt.: „Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden für ihre Person und 10½ Schilling für die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xeß, Bürger von Tübingen“. Der erhobene Steuersatz für die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der Äbtissinen der erheblich größeren und älteren Frauenklöster von Säckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schließen lässt.

Bei Gregor Xeß könnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in ähnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der Sülchenkirche erwähnt. Da er ein Bürger der Stadt Tübingen war, könnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt Tübingen standen.

Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den „Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz“ von 1941 für den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen bestätigt hatte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Nonnenhaus 1647 zerstört, dann wiederaufgebaut, stand aber seit 1665 leer. Die bisher beste und früheste bekannte Darstellung stammt von 1695. Sie zeigt ein ansehliches und großes, fast die damalige Kirche vor dem Umbau (ab 1750) überragendes Klostergebäude direkt südlich der St. Stephanus-Kirche. Eine zweite ähnliche, aber bildlich ungenauere Darstellung stammt von 1705 (hier nicht abgebildet). Auf späteren Karten im Zeitraum von 1705-1750 findet sich bisher kein Hinweis mehr auf das Kloster und es ist zu vermuten, dass es mangels Bedarfs und wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Vielleicht auch um Baumaterial für den Umbau der Kirche zu erlangen. Lediglich Gewannnamen wie „Nonnengärtchen“ (Teil des heutigen Friedhofs) oder „Nonnenweinberg“ (am Hang nördlich der St. Stephanus-Kirche) erinnern heute noch an das Kloster.

Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter