Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Flugzeugabschüsse über Poltringen

Im Zweiten Weltkrieg tobte der Luftkrieg auch über unserer Region. Neben dem Tieffliegerangriff vom 6.4.1945 mit zwei auswärtigen Toten wurden über der Poltringer Gemarkung auch zwei Feindflugzeuge abgeschossen.

Die vorgenannten Flugzeugabschüsse sind wahrscheinlich die Folgenden: Es gab in der Region aber natürlich noch einige Abschüsse mehr. Allerdings ging kein Flugzeug dann auf der Gemarkung Poltringen nieder und es gab im Ort dadurch keine Todesopfer. Am Pfaffenberg/Ortsrand von Unterjesingen ging in der Nacht vom 15./16.3.1944 eine um 19.03 Uhr in Burn unter dem Kommando von Flight Sergeant John Douglas Lyon gestartete schwere Bomber Handley Page Halifax Mk. III der 578. Sqn. (RAF) mit der Nummer LW542 Kennung LK-S nieder, die mit ihrem Fliegerverband für das Bombardement von Stuttgart eingesetzt war (88 Tote, 203 Verwundete) und die gegen 23.19 Uhr von einem deutschen Nachtjäger (Oberfähnrich Helmut Bunje mit einer Messerschmitt BF 110 G-4 von der 4. Staffel/Nachtjagdgeschwader 6) bei Wurmlingen abgeschossen wurde. Von der siebenköpfigen Besatzung fanden drei britische Flieger und der Kommandant den Tod, drei konnten sich mit Fallschirmen retten und wurden gefangen genommen (u.a. Funker Sgt. Dennis J. Salt, der beide Beine verlor; Details: Tagblatt März 1984, September 1993 und 2.10.2019; weitere Namen bisher nicht recherchierbar).Westlich von Tübingen wurde am 23.2.1945 interessanterweise ebenfalls von Helmut Bunje, ein Lancaster I Bomber, Nr. PA161, Kennung BH-X aus Faldingworth unter dem Kommando von Flight Sergeant H. E. Jachacz gegen 20.15 Uhr getroffen, der mit seinem Fliegerverband für das verheerende Bombardement von Pforzheim eingesetzt war (17.600 Tote, über 30% der Bevölkerung in einer Nacht!). Sie stürzte dann bei Sindelfingen ab. Von der polnischen Besatzung gerieten vier Mann in Gefangenschaft (P/O Peisker, F/Sgt Jachacz, Sgt Minkler, Sgt Leja) und drei starben beim Absturz (F/O Barcikowski, F/Sgt Lisak, F/Sgt Stokarski).

Helmut Buntje, mit 12 Abschüssen ein sog. „Flieger-Ass“, überlebte den Krieg und starb im Jahre 2000.Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Pfäffinger Liaisons“

Folgender Fund bietet mit zwei Anekdoten Einblicke in das frühere Verhältnis des evang. Pfäffingens zum kath. Poltringen:

„Mein Mann, Eberhard Hökh (+16.5.2019), aufgewachsen in Stuttgart, stammt aus einer Pfäffinger Familie. Der Urgroßvater, Christian Ludwig Hökh (1819-1879) besaß den letzten Hof in Pfäffingen in Richtung Poltringen, heute das Anwesen von Günter Höckh. Dieser Christian Ludwig Hökh hatte eine Tochter, Maria Friederike Hökh (1855-1937), die sich in den Säger von Poltringen verliebte. Sie bekam von ihm ein Kind. Der strenge Vater verweigerte aber die Hochzeit. Es kam nicht in Frage, dass ein evangelisches Mädle einen Katholiken heiratete. Zitat: „“An mei’m Tisch werdet so viele Mäuler satt, da kommt’s auf eins mehr net an. Aber mei evangelisches Mädle derf koin katholischa Poltringer heirate!“ Es kamen ein zweites und ein drittes Kind, bis endlich der Vater die Einwilligung zur Hochzeit gab. Endlich konnte das Mädle den Matthias Ruthart (+1927) aus der Poltringer Sägmühle heiraten und hatte insgesamt 14 Kinder! So ist der Name Ruthart nach Pfäffingen gekommen.

Ihr Bruder, Rudolf Hökh, war der Großvater meines Mannes Eberhard Hökh. Er ging zum Militär, während seine Schwester im elterlichen Hof lebte. In der Zeit brannte der Hof ab. Die Angaben zur Brandursache sind uneinheitlich: Die einen sprechen vom Blitzschlag, die anderen von spielenden Kindern. Jedenfalls brannte der Hof ab. Der Großvater meines Mannes verkaufte daraufhin seine Pfäffinger Besitzungen und erwarb von dem Erlös ein Haus in Stuttgart.

Meine Schwiegermutter erzählte noch eine andere skurrile Geschichte: Ein Verwandter namens „Leclair“ hatte Streit sowohl mit den Poltringern als auch den Pfäffingern. Er muss wohl ein unglücklicher Mensch gewesen sein und beschloss, sich das Leben zu nehmen. Zu dem Zweck setzte er sich an einen Grenzstein zwischen Poltringen und Pfäffingen und erschoss sich dort, damit die Pfäffinger und die Poltringer sich stritten, wer ihn bestatten muss.“Aufgezeichnet 2019 von Irene Hahn-Hökh aus der Biegenmühle in Pfäffingen.

„Poltringer Grenzstein“ (einzig bekannter) von 1821, hinten „1821“ / „Poltringen“, vorne „N (gespiegelt) Hirschstange „i“ mitten im Wald am Saurucken beim Friedwald auf der Gemarkung Entringen (Details: http://www.kleindenkmale-schoenbuch.de/liste_kdm.html)

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Poltringer Häftling“

In der Regierungszeit König Friedrichs I. von Württemberg waren etwa 400 Männer auf der Festung Hohenasperg bei Ludwigsburg inhaftiert. Der Hohenasperg, der seit dem Mittelalter u.a. auch als Gefängnis und heute als Vollzugskrankenhaus dient, gilt nach einem Bonmot als der „höchste Berg Württembergs“, da man in wenigen Minuten oben ist, aber Jahre braucht, um wieder herunterzugelangen.Aus dem Jahr 1813 ist eine Gefangenenliste erhalten, in der die Namen, die Haftgründe und die Haftdauer erscheinen. In den Jahresrechnungen der Festung Hohenasperg, welche im Staatsarchiv Ludwigsburg verwahrt werden, sind die Namen der Gefangenen und die Haftdauer aufgelistet, nicht aber der Grund der Festungsstrafe.

Luftbild Hohenasperg 1950, Wikipedia

In der o.g. Liste ist ein Poltringer zu finden: Moritz Haar, aus Poltringen, Oberamt Herrenberg, wegen Diebstahl und zweimaligem Entweichen als Sträfling, Strafmaß: 3 Jahre 9 MonateAuch ein Reustener und ein Breitenholzer Häftling waren dort 1813 zu finden.

Die gesamte Liste findet sich hier: https://eberhardfritz.de.tl/Gefangene-auf-der-Festung-Hohenasperg-1813.htm

Grundlegend für das Thema ist der Aufsatz von Eberhard Fritz „Auf die Vestung Hohen-Asperg condemnirt“ – Leben und Alltag der Gefangenen in der Regierungszeit Friedrichs von Württemberg (1797 – 1816) in: Ludwigsburger Geschichtsblätter 67/2013. S. 67-92.

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Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Bunker in Poltringen“

Lageplan der Poltringer Bunker (rosa Punkte = vorhandene Tiefkeller, schwarze Punkte = neu angelegte Bunker), erstellt von Armin Haar, August 2019

In Poltringen gab es während des letzten Weltkrieges etliche Bunker zum Schutz vor Luftangriffen. Zum Glück gab es während des Krieges nur einen Luftangriff am 19.04.1945 (siehe dazu der Amtsblattartikel vom 08.11.18), der zwei Auswärtigen das Leben kostete, aber es gab unzählige Luftalarme. Zum Kriegsende hin war dies fast täglich mehrmals der Fall. Luftschutzalarm erfolgte durch eine Sirene auf dem alten, heute abgebrochenen Rathaus. Die Vorwarnzeit betrug allerdings nur wenige Minuten.

Die (Tief-) Bunker waren entweder tieferliegende bestehende Kellerräume, neuerrichtete Erdbunker oder in den Berg gegrabene Gänge. Hochbunker gab es keine in Poltringen. In Poltringen gab es nur private Bunker und keine öffentlichen Schutzanlagen, die Nutzung erfolgte aber gemeinschaftlich im Nachbarschaftsverbund, sodass für alle Einwohner mehr oder weniger Schutzmöglichkeiten bestanden. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter (ca. 60 / 10% der Bevölkerung) durften offiziell die Bunker allerdings bei Strafe nicht nutzen; die praktische Umsetzung im Ort war aber oft zum Glück anders.

Der Bunkerbau begann in Poltringen wahrscheinlich zu Kriegsbeginn 1939 und endete erst 1945. Als sicherster Bunker galt wohl der Kellerraum der Schlossscheuer, der heute noch als Keller in Nutzung ist und aus dem 16. Jahrhundert stammt. Heute besteht kein Bunker mehr in seiner ursprünglichen Funktion.

Die Bunker waren teilweise auch mit Betten eingerichtet. Oft erfolgte eine Nutzung nicht nur temporär bei Luftalarm, sondern auch bei häufigen Luftalarmen dauerhafter. Nach dem Einmarsch der Franzosen mussten einige Familien zudem dort auch längere Zeit wohnen, da die Besatzer die eigentlichen Wohnräume für sich beanspruchten. Weitere Nutzungen waren oft auch als Lager für Lebensmittel oder landwirtschaftliche Zwecke.

Eine Ermittlung der ursprünglichen Lage der Bunker erfolgte durch Armin Haar. Wo diese lagen, zeigt die nachfolgende Karte.

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Sage vom Schatz in der Raosen

„Bei Poltringen, zwischen Pfäffingen und Oberndorf, soll in der »Raosen*«, einem Wasserloch, ein Schatz verborgen liegen.“

*Raosen, ggf. von mhd. „rozze“, Lache, wasserreiche Mulde; es gibt in dem Bereich einen direkt in den Aischbach(-graben) fließenden Brunnen („Gäßle-Brünnele“), der aus uralter steingemauerter Wasserleitung gespeist wird, die in Richtung Oberndorfer oder Heidenwald führt, und wie die Quelle seltsamerweise bis heute auf keiner, auch nicht historischer, Karte verzeichnet ist. Vielleicht besteht hier Bezug zu Sage?

Aus „Sagen, Märchen, Volksaberglauben – Volksthümliches aus Schwaben Band 1“ von Anton Birlinger / Michael Richard Buck von 1861; Sage ist mündlich überliefert.

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Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Sage vom Muotisheer*

„Odins wilde Jagd“ des norwegischen Malers Peter Nicolai Arbo von 1872

„Ein alter Lehrer in Hirschau erzählte oft, wie er einmal noch spät von Poltringen heim sei nach Hirschau. Zwischen Pfäffingen und Poltringen sei es eben gewesen: da hörte er plötzlich ein furchtbares Jagen und Rufen und verworren Schreien. Er sprang über Hals und Kopf, um noch zu dem nächsten Feldkreuz zu kommen. Aber im Nu rief’s schon hinter ihm her: 

“Hû, hû, hû,“

“Auss əm Wëəg!“

Glücklicherweise hatte er das Kreuz erreicht und so gewaltig umklammert, als ob er angewachsen wäre. In dem nämlichen Augenblicke zog eine große Schar Reiter auf Schimmeln und Rappen an ihm vorbei, die Reiter alle ihre Köpfe unter dem Arm. Er kam glücklich davon; hätte er das Kreuz nicht erreicht, so wär’s ihm gewiß nicht gut gegangen.“

*Muotis- oder Wuotisheer oder wilde Jagd: u.a. Sturm der in Tagen der Tag- und Nachtgleiche den Frühling ankündigt oder baldigen großen Krieg, auch in Verbindung mit Odins / Wotans wütendem Heer oder Existenz eines Geisterheeres, das sich in der Nacht erbitterte Kämpfe liefert

Aus „Sagen, Märchen, Volksaberglauben – Volksthümliches aus Schwaben Band 1“ von Anton Birlinger / Michael Richard Buck von 1861; Sage ist mündlich überliefert.

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Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Die älteste menschliche Spur in Poltringen“

Der früheste Nachweis für eine menschliche Ansiedlung in Poltringen, für den es Fotografien gibt, fünf relativ unscheinbare Keramikscherben aus der Ammeraue, ist immerhin ca. 2500-3000 Jahre alt.

Leider ist nicht dokumentiert, wann dieser Fund erfolgte und wie alt die Schreben genau sind. Die Scherben könnten entweder keltisch sein (Hallstattzeit), d.h. etwa 800 bis 450 v. Chr. entstanden sein oder sogar aus der Urnenfelderzeit von etwa 1300 v. Chr. bis 800 v. Chr. stammen.

K. Ludwig; Landesmuseum Württemberg, Stuttgart

Es gibt aber auch Nachweise, dass Menschen der Jungsteinzeit (circa 5400 bis 1000 v. Chr.), d.h. Ackerbauern und Viehzüchter, auf der Poltringer Gemarkung gelebt haben. Man fand dazu seit 1932 auf Poltringer Gemarkung bisher nachweislich vier steinzeitliche Siedlungsstellen; diese lagen im Bereich Engwiesen, Oberes Feld, Rübenäcker und Untere Wasserbreite. Dort fand man bis 2005 hunderte Spuren wie Steinmesser, Steinklingen, Steinbeil, Steinaxt, Steinbohrer, Steinkratzer/-schaber, Pfeilspitzen und Scherben von Fein- und Grobkeramik wie Kumpfe, Vorratsgefäße, Schalen und Bauchknickgefäße (Dr. Jörg Bofinger, „Untersuchungen zur neolithischen Besiedlungsgeschichte des Oberen Gäus“, 2005, S. 424-426 und im Tafelteil: 31-36, 9.5.1-9.5.4), die bis zu 7000 Jahre alt sein könnten. Neuere Funde gibt es bisher nicht. Leider gibt es für diese Funde keine Fotografien, aber teilweise Zeichnungen.

Menschen lebten daher dauerhaft in Poltringen seit vielleicht fast 300 Generationen! Auch in der Altsteinzeit vor ca. 5400 v. Chr. könnten Menschen temporär als Jäger und Sammler auf Poltringer Gemarkung gelebt haben. Dafür fehlen aber bisher Spuren.

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Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Die Poltringer Quellen“

In Poltringen gibt es heute die u.g. oberirdischen, öffentlichen und natürlichen Quellen bzw. Brunnen. Nicht dazu gehören die Tiefbrunnen (30-60 m Tiefe), die sich, wie das Wasserwerk selbst, auf Poltringer Gemarkung befinden und kleine Quellen an oder bei Privathäusern im Ort.

Die erste Quelle (ganzjährig, 0,1 – 1,65 l / sec.) ist der „Türlesbronn/-brunnen“ (Q 40) westlich des Flugplatzes direkt am Feldweg Richtung Hardtwald. Im Mittelalter gab es dort, wahrscheinlich wegen des Zugangs zu Wasser, eine kleine Ansiedlung. Von dieser wohl zu Poltringen gehörenden Ansiedlung mit dem Namen Tüllisbronn bzw. Dillisbronn wissen wir, da sie u.a. den Herren von Wehingen 1416 abgabepflichtig war. Das Wasser der Quelle fließt über den Türlesbach in den Steinbruchsee gegenüber dem Bauhof und von dort in die Ammer.
Die zweite Quelle (ganzjährig, 1,0 – 1,4 l / sec.) ist die „Römerquelle“ (Q 40/1) am westlichen Abhang des Käsbachknies. Ihren Namen trägt die Quelle, da oberhalb von ihr vor ca. 2.000 Jahren ein römisch Gutshof stand, von dem man noch heute auf den Feldern direkt über dem Abhang oberhalb der Quelle Keramikscherben findet. Eine Besonderheit ist, dass das Wasser direkt an der Quelle in einem offenen künstlichen Kanal parallel zum Hangverlauf nach Nordosten zwei Weihern am Rand des Käsbaches zugeleitet wird.
Die dritte Quelle (ganzjährig, 0,004 – 0,36 l / sec.) ist das „Gässle-Brünnele“ (Q 3). Dies ist aber keine Quelle im engeren Sinne, da das Wasser des Brunnen aus einem, ca. 100-200 Jahre vergessenen und vor einiger Zeit wiederentdeckten, historischen Kanal aus der Zeit zwischen 1500 und 1800 stammt, von dem unbekannt ist, wo er beginnt, endet und wo der Quellort seines Wassers ist. Sein Wasser fließt über den Aischbachgraben in den Engwiesenbach und von ihm in die Ammer.
Die vierte Quelle („Bessertälesquelle“, Q 4, ganzjährig, 0,2 – 2,2 l / sec.) liegt in der Verlängerung der Jahnstraße nach Westen in einem Wäldchen nach der Bebauung. Sie entspringt in einem kleinen Tümpel von etwa 4 auf 6 Meter. Das Wasser fließt dann in den Basermannsgraben und von dort in die Ammer.

Foto der Quelle des „Schwarzen Brunnen“ vom März 2019

Zudem gibt es nahe der Gemarkungsgrenze zu Reusten eine fünfte Quelle. Diese, genannt „Schwarzer Brunnen“ (in Reusten auch „Schwärzlesbrunnen / Schwärzenbrunnen“; Q 38/2), liegt am Ammertalnordhang nach der Schwärzer Halde und der anschließenden Klinge direkt vor dem Bauhofbeginn auf der gegenüberliegenden Ammerseite. Diese Quelle ist die stärkste der Poltringer Quellen mit 10 – 20 l / sec und sollte sogar in den 20er Jahren als Poltringer Wasserversorgung gefasst werden. Sie hat ein Wassereinzugsgebiet bis Oberjettingen, Haslach und Mötzingen (d.h. immerhin ca. 15 km entfernt). Sie wies früher eine kleine Kaskade von 50-100 cm Höhe auf, die ca. 100 m weiter südwestlich lag. Dies hatte den Grund darin, dass die zwischen Ammer und früherem Ammertalnordhang liegenden Felder und Wiesen durch den Steinbruchbesitzer Schäfer mit Steinbruchschutt ca. 20 Meter hoch aufgeschüttet und die Quelle sowie der Wasserfall in umweltfrevlerischer Weise in den 50 / 60 er Jahren in der damaligen Form damit wohl illegal vernichtet wurden. Leider gibt es keine Aufnahme der Quelle und Kaskade vor dem „Sündenfall“. Hier ist sicher ein landschaftliches Juwel zerstört worden, auf das man heute stolz wäre. Das Heimatbuch von 1971 spricht auf Seite 29 davon, dass die Quelle leider „zugeschüttet“ sei; die Quelle drückt aber (mitterweile) zum Glück weiter in starker Schüttung unter der Schutthalde heraus.
Außerdem gibt es eine Quelle „oberhalb der Stephanuskirche“ (Q 39) im Tal, die eine Schüttung von 0 – 2,7 l / sec aufweist, für die aber kein örtlicher Name bekannt ist. Sie liegt zwischen Friedhof und Bauhof unterhalb der Kreisstraße und ist mit einem Graben mit Ammer verbunden. Aufgrund der Lage im Talgrund im Gewann „Im Täle“ könnte sie „Tälequelle“ heißen.
Weitere Quellen bzw. Brunnen mit Namen „Gopfbrunnen“ gab es bis zur Zerstörung durch modernen Straßenbau beim früheren Gasthaus „Hirsch“ zwischen Ammerufer, Straße und heutigem Altglascontainer und neben dem heutigen Rathaus, dort wo statt des Spielplatzes nun ein Neubau steht und früher ein großer Steinblock lag („Gänswinkelbrunnen“). Eine weitere Quelle am östlichen Abhang des Hottenbergs speist heute ggf. noch den „Hülenplatzbrunnen“. Auch an der Ehinger Straße Ecke Aiblestraße ist ein Brunnen („Ehinger Brunnen“), bei dem aber unklar ist, wo er sein Wasser her bezog.
Quellnummerierung, damalige Wasserqualität und Schüttungsangaben aus „Hydrogeologische Untersuchungen im Oberen Gäu“ von Dr. Heinz Michael Harreß, 1973 (einsehbar in Landratsamt Tübingen Abtl. Grundwasserschutz).

Wer hierzu vertiefende Informationen oder Bilder der Quellen (insbesondere „Schwarzem Brunnen“) beitragen kann, bitte melden.

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Wann wurde Poltringen erstmals urkundlich erwähnt?

Aus Kunstführer „Kloster und Schloss Bebenhausen“ von Mathias Köhler, Rainer Y und Carla Fandrey, S. 7

Dies war am 30.07.1191 in der Gründungsurkunde des Kloster Bebenhausen (Übersetzung aus Michael Buhlmann „Das Kloster Bebenhausen im Mittelalter“ Vertex Alemanniae, Heft 19, 2005, S. 29-43). Vorher gab es keine schriftliche Nennung des Namens Poltringen, obwohl es das Dorf schon einige Jahrhunderte davor schon gab. Es wurde aber damals nur wenige und wichtige Urkunden erstellt und überdauerten. Die älteste erhaltene Originalurkunde Deutschlands stammt von König Pippins aus dem Jahr 760 (Schenkung an Reichsabtei Fulda).

“Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit. Ich, Rudolf, durch die Gnade Gottes Pfalzgraf von Tübingen, dem ehrwürdigen Abt Diepold und allen diesem kanonisch folgenden [Äbten] auf ewig. Die heutige Generation und jede, die geboren wird und entsteht, soll erfahren, dass, weil der Schöpfer des Alls es so eingerichtet hat, dass jenes Haus der heiligsten Gottesmutter in Bebenhausen durch den Aufwand unserer Hilfe entstand, wir das Gut, das der Speyrer Kirche gehörte, mit Zustimmung unserer geliebten Ehefrau Mathilde und unserer Kinder rechtmäßig getauscht haben, wobei der ruhmreichste Kaiser Friedrich [I. Barbarossa] und dessen Sohn Heinrich [VII.] sowie andere Fürsten des Königreichs dies begünstigten und bestätigten und wir auf Grund der Autorität dieser den Ort wegen des Gedächtnisses an unsere Eltern im Gottesdienst dem Prämonstratenserorden zugewiesen haben. Als danach aber aus gewissen Gründen der Konvent dieses Ordens [den Ort] verließ, wurde durch die Autorität des Herrn Kaiser Heinrich, der damals dem verstorbenen Vater im Kaisertum nachfolgte, glücklich der Zisterzienserorden herbeigerufen, und dieser erhielt durch uns jenen Ort und alle zu diesem gehörenden zinspflichtigen Leute zusammen mit den Gütern, frei von Vogtei und Steuer, gleichwie es die Einrichtung dieses Ordens erfordert, und wir haben [dies alles] ganz und gar überlassen. Und weil ja der heilige und wohlgefällige Lebenswandel dieser Religiosen uns zu weiteren Wohltaten treibt, haben wir auch das Privileg eines besonderen Geschenks zu ewigem Recht dazugetragen: dass wer von den Dienstleuten, Kaufleuten oder Bauern, von Leuten irgendeinen Standes oder irgendeines Berufs, krank oder gesund, sich zum Lebenswandel dieser [Zisterzienser] bekehren oder ein Teil seiner beweglichen oder unbeweglichen Habe übertragen will, er in allem die freie Möglichkeit dazu hat, wenn er unserer Gewalt unterworfen ist. Für unsere Verdienste verlangen wir nichts, lieber wählen wir diese als betende Sachwalter beim furchtbaren Richter [des Jüngsten Gerichts] und erwarten von diesen fest und treu Dank und das Versprechen, dass nach unserem Tod an jedem [Todes-] Tag, wenn es möglich ist, zu unserem Gedenken und das unserer Eltern immer dort die Totenmesse gefeiert wird. Nicht zu vergessen ist, dass wir festgesetzt haben, dass Besitzungen und Güter, die wir diesen [Mönchen] geschenkt haben, von jeglicher Vogtei frei sein sollen. Um göttlicher Vergebung willen haben wir auch diesem Kloster mit kaiserlicher Autorität bewilligt [ein Gebiet] im Wald Schönbuch mit den Grenzen, …..(KÜRZUNG)….. Innerhalb dieser Grenzen mögen sie [die Mönche] Feuerholz und anderes zu ihrem Nutzen Notwendige herbeischaffen. Wenn innerhalb dieser Grenzen das Holz zum Bauen nicht ausreicht, haben sie die freie Verfügung, innerhalb des gesamten Waldes, der Schönbuch heißt, Holz zu fällen. Und sie mögen die Weiden des gesamten Waldes nutzen mit Ausnahme der Schafe, für die wir die Freiheit des Abweidens nicht zuerkannt haben.

Damit daher niemand es wagt, die feste Angelegenheit dieser Schenkung mutwillig herabzusetzen, haben wir veranlasst, die vorliegende Urkunde durch den Eindruck unseres Siegels und die Nennung der Zeugen zu kennzeichnen. Dies sind die Namen der Zeugen, die dabei waren: ….(KÜRZUNG)…. Von den Dienstleuten: Truchsess Friedrich und dessen Bruder Diemo, Vogt Konrad von Ruck, Heinrich von Poltringen, Walter von Lustnau, Dietrich und Hugo von Ihlingen, Friedrich von Weitingen und Eticho, Heinrich und Werner von Bondorf, Kraft von Hailfingen, Konrad von Pfäffingen, Friedrich und Hugo von Gomaringen und viele andere mehr. Geschehen ist dies im Jahr 1191 von der Fleischwerdung des Herrn an, als der römische Kaiser Heinrich herrschte. Gegeben an den 3. Kalenden des August in Asberg.”

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Bühnensage“ von Ritter Volpert von Poltringen

Suleima und Volpert v. Poltringen

„Ritter Belrem von Weissenstein, der mit Kaiser Barbarossa zum Kreuzzug ins Heilige Land zieht, verliebt sich dort in die schöne Orientalin Suleima, die aber seinem Freund Volpert von Poltringen den Vorzug gibt. Von Eifersucht und Rache getrieben, versucht Belrem zunächst die Liebenden zu ermorden, dies misslingt. Als er bei der Hochzeit des Grafen von Tübingen auf die beiden stößt, lockt er Volpert in einen Hinterhalt, wo dieser durch Konrad von Vaihingen, einem fiesen Saufkumpan von Belrem, mit Suleima erdolcht wird. Ritter Belrem macht sich anschließend für 20 Jahre aus dem Staub, kehrt aber dann mit Frau und Kindern auf seine Burg Kräheneck zurück. Doch in all den Jahren seines unsteten Lebens, verfolgt ihn ein schlechtes Gewissen. In der Schlussszene auf der nebelumhüllten Burgzinne, erscheint ihm die anklagende Suleima. Mit der Erkenntnis, dass er seiner Schuld nicht davonlaufen kann, stürzt er sich von der Burgzinne hinunter in den Tod.”

Aus „BELREM – Eine Moritat aus der Ritterzeit von Fritz Schönthaler, Premiere: Juli 2009 auf der Burg Kräheneck, Pforzheim-Dillweißenstein, unter Verwendung von Motiven aus dem Stück „Belrem von Weißenstein“ aus dem Jahr 1928 von Adolf Becker (Inszenierung: Reinhard Kölmel; Produktion des Amateurtheatervereins Pforzheim).

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Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – neue Ansichten des Unter- / Bergschloss „Oberpoltringen“

Von 1603 bis ca. 1790 besaß Poltringen zwei Schlösser. Das an der Ammer liegende Wasserschloss und das auf der Anhöhe oberhalb des Gasthofes „Adler“ stehende sogenannte evang. Bergschloss, Unterschloss oder Schloss Oberpoltringen.

Die einzige bisher bekannte und wohl relativ realistische Zeichnung des Schlosses aus dem „Forstlagerbuch“ von Andreas Kieser von 1683 ist u.a. im Artikel „Bergschloss Oberpoltringen“ in Ammerbuch Aktuell“ vom 30.08.18 oder auch in Wikipedia zu sehen.

Nun konnte eine weitere Ansicht in einer Karte aus dem Zeitraum von 1700-1750 im Staatsarchiv Sigmaringen gefunden werden. Sie zeigt „Bolttring“ mit St. Stephanus-Kirche (aber ohne Kloster, das letztmalig 1680 erwähnt ist, und ohne die St. Klemens-Kirche im Ort), aber mit „Oberschloß“ (Wasserschloss) und „Underschloß“ (Bergschloss).

Das Wasserschloss zeigt aber nicht die damals wie heute bestehende Viereckform um einen Innenhof, sondern ist als ein längerer, schmalerer Bau und auch rechts der Straße nach Reusten dargestellt. Auch das Bergschloss hat mit zwei hohen Ecktürmen rechts und links an der Stirnseite eine andere Form, wie die Kiesersche Zeichnung mit nur zwei kleineren Ecktürmen an der Hinterseite ausweist. Diese Gestalt mit zwei hohen Ecktürmen weist das Bergschloss auch in einer Karte um 1750 auf (Karte über Forst- und Jagdgrenzen am Rötenberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 33 Bü 102 a Nr. 78).

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann (z.B. weitere Bilder / Zeichnungen / Beschreibungen des Bergschlosses besitzt oder kennt?) oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter