Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Wann wurde Poltringen erstmals urkundlich erwähnt?

Aus Kunstführer „Kloster und Schloss Bebenhausen“ von Mathias Köhler, Rainer Y und Carla Fandrey, S. 7

Dies war am 30.07.1191 in der Gründungsurkunde des Kloster Bebenhausen (Übersetzung aus Michael Buhlmann „Das Kloster Bebenhausen im Mittelalter“ Vertex Alemanniae, Heft 19, 2005, S. 29-43). Vorher gab es keine schriftliche Nennung des Namens Poltringen, obwohl es das Dorf schon einige Jahrhunderte davor schon gab. Es wurde aber damals nur wenige und wichtige Urkunden erstellt und überdauerten. Die älteste erhaltene Originalurkunde Deutschlands stammt von König Pippins aus dem Jahr 760 (Schenkung an Reichsabtei Fulda).

“Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreieinigkeit. Ich, Rudolf, durch die Gnade Gottes Pfalzgraf von Tübingen, dem ehrwürdigen Abt Diepold und allen diesem kanonisch folgenden [Äbten] auf ewig. Die heutige Generation und jede, die geboren wird und entsteht, soll erfahren, dass, weil der Schöpfer des Alls es so eingerichtet hat, dass jenes Haus der heiligsten Gottesmutter in Bebenhausen durch den Aufwand unserer Hilfe entstand, wir das Gut, das der Speyrer Kirche gehörte, mit Zustimmung unserer geliebten Ehefrau Mathilde und unserer Kinder rechtmäßig getauscht haben, wobei der ruhmreichste Kaiser Friedrich [I. Barbarossa] und dessen Sohn Heinrich [VII.] sowie andere Fürsten des Königreichs dies begünstigten und bestätigten und wir auf Grund der Autorität dieser den Ort wegen des Gedächtnisses an unsere Eltern im Gottesdienst dem Prämonstratenserorden zugewiesen haben. Als danach aber aus gewissen Gründen der Konvent dieses Ordens [den Ort] verließ, wurde durch die Autorität des Herrn Kaiser Heinrich, der damals dem verstorbenen Vater im Kaisertum nachfolgte, glücklich der Zisterzienserorden herbeigerufen, und dieser erhielt durch uns jenen Ort und alle zu diesem gehörenden zinspflichtigen Leute zusammen mit den Gütern, frei von Vogtei und Steuer, gleichwie es die Einrichtung dieses Ordens erfordert, und wir haben [dies alles] ganz und gar überlassen. Und weil ja der heilige und wohlgefällige Lebenswandel dieser Religiosen uns zu weiteren Wohltaten treibt, haben wir auch das Privileg eines besonderen Geschenks zu ewigem Recht dazugetragen: dass wer von den Dienstleuten, Kaufleuten oder Bauern, von Leuten irgendeinen Standes oder irgendeines Berufs, krank oder gesund, sich zum Lebenswandel dieser [Zisterzienser] bekehren oder ein Teil seiner beweglichen oder unbeweglichen Habe übertragen will, er in allem die freie Möglichkeit dazu hat, wenn er unserer Gewalt unterworfen ist. Für unsere Verdienste verlangen wir nichts, lieber wählen wir diese als betende Sachwalter beim furchtbaren Richter [des Jüngsten Gerichts] und erwarten von diesen fest und treu Dank und das Versprechen, dass nach unserem Tod an jedem [Todes-] Tag, wenn es möglich ist, zu unserem Gedenken und das unserer Eltern immer dort die Totenmesse gefeiert wird. Nicht zu vergessen ist, dass wir festgesetzt haben, dass Besitzungen und Güter, die wir diesen [Mönchen] geschenkt haben, von jeglicher Vogtei frei sein sollen. Um göttlicher Vergebung willen haben wir auch diesem Kloster mit kaiserlicher Autorität bewilligt [ein Gebiet] im Wald Schönbuch mit den Grenzen, …..(KÜRZUNG)….. Innerhalb dieser Grenzen mögen sie [die Mönche] Feuerholz und anderes zu ihrem Nutzen Notwendige herbeischaffen. Wenn innerhalb dieser Grenzen das Holz zum Bauen nicht ausreicht, haben sie die freie Verfügung, innerhalb des gesamten Waldes, der Schönbuch heißt, Holz zu fällen. Und sie mögen die Weiden des gesamten Waldes nutzen mit Ausnahme der Schafe, für die wir die Freiheit des Abweidens nicht zuerkannt haben.

Damit daher niemand es wagt, die feste Angelegenheit dieser Schenkung mutwillig herabzusetzen, haben wir veranlasst, die vorliegende Urkunde durch den Eindruck unseres Siegels und die Nennung der Zeugen zu kennzeichnen. Dies sind die Namen der Zeugen, die dabei waren: ….(KÜRZUNG)…. Von den Dienstleuten: Truchsess Friedrich und dessen Bruder Diemo, Vogt Konrad von Ruck, Heinrich von Poltringen, Walter von Lustnau, Dietrich und Hugo von Ihlingen, Friedrich von Weitingen und Eticho, Heinrich und Werner von Bondorf, Kraft von Hailfingen, Konrad von Pfäffingen, Friedrich und Hugo von Gomaringen und viele andere mehr. Geschehen ist dies im Jahr 1191 von der Fleischwerdung des Herrn an, als der römische Kaiser Heinrich herrschte. Gegeben an den 3. Kalenden des August in Asberg.”

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Bühnensage“ von Ritter Volpert von Poltringen

Suleima und Volpert v. Poltringen

„Ritter Belrem von Weissenstein, der mit Kaiser Barbarossa zum Kreuzzug ins Heilige Land zieht, verliebt sich dort in die schöne Orientalin Suleima, die aber seinem Freund Volpert von Poltringen den Vorzug gibt. Von Eifersucht und Rache getrieben, versucht Belrem zunächst die Liebenden zu ermorden, dies misslingt. Als er bei der Hochzeit des Grafen von Tübingen auf die beiden stößt, lockt er Volpert in einen Hinterhalt, wo dieser durch Konrad von Vaihingen, einem fiesen Saufkumpan von Belrem, mit Suleima erdolcht wird. Ritter Belrem macht sich anschließend für 20 Jahre aus dem Staub, kehrt aber dann mit Frau und Kindern auf seine Burg Kräheneck zurück. Doch in all den Jahren seines unsteten Lebens, verfolgt ihn ein schlechtes Gewissen. In der Schlussszene auf der nebelumhüllten Burgzinne, erscheint ihm die anklagende Suleima. Mit der Erkenntnis, dass er seiner Schuld nicht davonlaufen kann, stürzt er sich von der Burgzinne hinunter in den Tod.”

Aus „BELREM – Eine Moritat aus der Ritterzeit von Fritz Schönthaler, Premiere: Juli 2009 auf der Burg Kräheneck, Pforzheim-Dillweißenstein, unter Verwendung von Motiven aus dem Stück „Belrem von Weißenstein“ aus dem Jahr 1928 von Adolf Becker (Inszenierung: Reinhard Kölmel; Produktion des Amateurtheatervereins Pforzheim).

Wer weitere (noch undokumentierte) Poltringer Sagen kennt oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Vorschau Juli und August

  • 27.07.2019 Vereins-Grillfest in der Palmberghütte
  • 04.08.2019 Tageswanderung (Gerold) Schönbuchturm, Herrenberg

Nächstes Treffen der Arbeitsgemeinschaft fällt aus

Das am 16.07.2019 geplante Treffen der Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte fällt aus. Ein neuer Termin wird im Gemeindeboten bekannt gegeben.

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – neue Ansichten des Unter- / Bergschloss „Oberpoltringen“

Von 1603 bis ca. 1790 besaß Poltringen zwei Schlösser. Das an der Ammer liegende Wasserschloss und das auf der Anhöhe oberhalb des Gasthofes „Adler“ stehende sogenannte evang. Bergschloss, Unterschloss oder Schloss Oberpoltringen.

Die einzige bisher bekannte und wohl relativ realistische Zeichnung des Schlosses aus dem „Forstlagerbuch“ von Andreas Kieser von 1683 ist u.a. im Artikel „Bergschloss Oberpoltringen“ in Ammerbuch Aktuell“ vom 30.08.18 oder auch in Wikipedia zu sehen.

Nun konnte eine weitere Ansicht in einer Karte aus dem Zeitraum von 1700-1750 im Staatsarchiv Sigmaringen gefunden werden. Sie zeigt „Bolttring“ mit St. Stephanus-Kirche (aber ohne Kloster, das letztmalig 1680 erwähnt ist, und ohne die St. Klemens-Kirche im Ort), aber mit „Oberschloß“ (Wasserschloss) und „Underschloß“ (Bergschloss).

Das Wasserschloss zeigt aber nicht die damals wie heute bestehende Viereckform um einen Innenhof, sondern ist als ein längerer, schmalerer Bau und auch rechts der Straße nach Reusten dargestellt. Auch das Bergschloss hat mit zwei hohen Ecktürmen rechts und links an der Stirnseite eine andere Form, wie die Kiesersche Zeichnung mit nur zwei kleineren Ecktürmen an der Hinterseite ausweist. Diese Gestalt mit zwei hohen Ecktürmen weist das Bergschloss auch in einer Karte um 1750 auf (Karte über Forst- und Jagdgrenzen am Rötenberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart, B 33 Bü 102 a Nr. 78).

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann (z.B. weitere Bilder / Zeichnungen / Beschreibungen des Bergschlosses besitzt oder kennt?) oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Das Poltringer Kloster

Poltringen war lange Jahrhunderte kirchlicher Zentralort für seinen Umkreis und hatte eine erheblich größere Bedeutung als heute. Dies zeigt seine kirchliche Infrastruktur mit zwei Kirchen, zeitweise einer Kapelle im Wasserschloss sowie den (vor allem kirchlichen) Rechten, die Poltringen in Oberndorf, Wendelsheim, Reusten und den zwei abgegangen Weilern Röschenhofen (zwischen Oberndorf und Reusten) und Tüllisbronn (zwischen Reusten und Entringen) innehatte. Dies unterstreicht nicht nur die besondere Lage der St. Stephanus-Kirche mit der Steinbrücke über die Ammer, sondern auch, dass es dort über 200 Jahre lang ein Kloster gegeben hatte. Poltringen (teilweise vor Jahrhunderten auch „Oberkirch“ oder „Oberkilch“ genannt) gilt daher auch als eine der ältesten und ersten Pfarreien der Umgebung.

Poltringen (Bolderingen) mit „Oberkirch“ St. Stephan (interessanterweise ohne Tal- und damals noch bestehendem Bergschloss), sogenannten Stirlinschen Karte von 1705 „Ritterschaftliche freie Pürsch in Schwaben am Neckar und Schwarzwald“, Staatsarchiv Sigmaringen

An der Pfarrkirche St. Stephanus bestand ein erstmals 1423 genannter, aber wohl einiges älterer, Konvent von wohl nicht mehr wie 5-10 Franziskaner-Terziarinnen, der 1647 im Dreißigjährigen Krieg von schwedische Truppen zerstört wurde. Bevor das Kloster abbrannte, rettete ein Poltringer daraus eine Madonna aus dem 14. Jahrhundert. Fast vierhundert Jahre lang wurde sie in der Poltringer Familie Baur von Generation zu Generation vererbt. Heute steht sie in einem Seitenaltar der Kirche und stellt den einzigen Gegenstand dar, der das Kloster überdauert hat.

Obwohl anschließend wieder aufgebaut, stand die Klause seit 1665 leer und die Gebäude zerfielen (1680 bestanden sie aber noch). Leider gibt es bisher keine bekannte, genaue bildliche Darstellung des Klosters. Lediglich auf einer Karte von 1705 könnte sich erahnen lassen, dass das Kloster an die St. Stephanus-Kirche angebaut war. Auf späteren Karten im Zeitraum von 1705-1750 findet sich bisher kein Hinweis mehr auf das Kloster. Lediglich Gewannnamen wie „Nonnengärtchen“ (Teil des heutigen Friedhofs) oder „Nonnenweinberg“ (am Hang nördlich der St. Stephanus-Kirche) erinnern an das Kloster.

Leider waren bisher weder in regionalen, kirchlichen, staatlichen oder sogar dem österreichischen Staatsarchiv in Wien Spuren des Klosters zu finden.

Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Sonnwendfeier

Unsere diesjährige Sonnwendfeier findet am Freitag 21. Juni 2019 auf dem Palmberg statt. Beginn ist um 19 Uhr. Bei Einbruch der Dunkelheit wollen wir einen Kinder-Fackelzug mit anschließender Entzündung des Sonnwendfeuers durch die Kinder starten. Mit gemeinsamem Singen am Feuer wollen wir noch eine Weile gemütlich beisammen sein. Für das leibliche Wohl wird gesorgt.

Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte erhält großzügige Spende von IBM

Im Rahmen der IBM Volunteers Community konnte die Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte Dank der Initiative von Herrn Boris Dieter eine Spende von 1800,-€ entgegen nehmen.

Herr Boris Dieter, der bereits seit einigen Jahren Vorträge zur Poltringer Geschichte machte, schreibt nun regelmäßig im Ammerbuch Aktuell unter „Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte“ interessante Artikel.

Seine Recherchen, Publikationen und Forschungsergebnisse kann man auch auf der Homepage des Heimat- und Wandervereins Ammerbuch (www.hwv-ammerbuch.de) nachlesen.

In unzähligen Stunden hat Herr Boris Dieter sich mit der Ortsgeschichte von Poltringen befasst.

Die AG Heimatgeschichte trifft sich regelmäßig in der Palmberghütte um gemeinsam historische Themen zu besprechen. Die Termine, die im „Ammerbuch Aktuell“ veröffentlicht werden, werden von Treffen zu Treffen festgelegt. Dazu ist die gesamte Bevölkerung eingeladen.

Bei der Übergabe der Spende auf dem IBM Campus in Ehningen dankte die 1. Vorsitzende des Heimat-und Wanderverein Ammerbuch e. V., Herrn Boris Dieter für sein Engagement und wies darauf hin, dass durch ihn die Poltringer Ortsgeschichte wieder lebendig wurde.

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Die Bauopferurne von St. Klemens

Beim Bau einer Wasserleitung wurde 1928 westlich des Kirchturms von St. Klemens eine Urne mit ungeklärtem Inhalt gefunden. Sie hatte eine beachtliche Größe von 50 cm Höhe und 40 cm Breite und war mit Ornamenten geschmückt. Sie war gefüllt mit einer schwarzen, kohlartigen Humusschicht. Es könnte sich hier um Überreste von Salzbrot, Getreide oder eines Tierkörpers gehandelt haben. Die Urne datiert in das späte 14. oder wahrscheinlicher 15. Jahrhundert und von der Form her handelt es sich um ein großes Vorratsgefäß. Solche großen Vorratsgefäße mit aufgelegten, mit Fingereindrücken verzierten Verstärkungsleisten sind eher selten.

Bild des Landesdenkmalamtes Tübingen

Vielleicht war die Urne eine Bauopferurne, die beim Wiederaufbau der abgebrannten romanischen Kirche im Mittelalter eingebracht wurde, ein Schutzmittel im Volksglauben gegen Unglücke etc.. Das Gefäß könnte, was durchaus immer wieder bei mittelalterlichen Vorratsbehältern vorkommt, auch einfach ohne Bezug zu einem Gebäude oder Nutzung als Urne in den Boden eingegraben gewesen sein.

Leider ist nur noch das Bild der Urne erhalten. Die Urne selbst ist verschollen und auch der Inhalt wurde nicht naturwissenschaftlich untersucht. Neuere Nachforschungen beim Denkmalamt und der Universität Tübingen ergaben leider keine anderen Ergebnisse.

Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Besuch Jubiläumsumzug in Gültstein

Wir fahren am 26.05.2019 vormittags mit dem Zug von Pfäffingen aus zum Jubiläumsumzug nach Gültstein. Vor dem Umzug wollen wir zum Mittagessen einkehren. Weitere Infos folgen im nächsten Amtsblatt.

Vorschau Juni und Juli

  • 21.06. Sonnwendfeier auf dem Palmberg
  • 29.06. Besuch der Bundesgartenschau in Heilbronn
  • 16.07. Treffen Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte (18 Uhr) mit dem Thema „Schulzeit im Schloss“

Maibaumaufstellen

Bei unserem diesjährigen Maibaumaufstellen (bei schönem Wetter) begrüßte unsere 1. Vorsitzende Margot Sailer die zahlreichen Besucher, Ortsvorsteher Reinhold Hess und die Vertreter der örtlichen Vereine. Die Freiwillige Feuerwehr Poltringen hatte im Nuh den diesjährigen Maibaum aufgestellt, der in diesem Jahr der Meisterbaum von Frank Cerfontaine war. Der „Blechhaufa“ sorgte für die musikalische Unterhaltung. Margot trug ein Frühlingsgedicht vor und anschließend wurden gemeinsam Lieder gesungen.

Palmberghockete

Am diesjährigen 1. Mai war super Wetter. Mit der musikalischen Unterhaltung durch die Roaler aus Oberndorf und den vielen Besuchern war unsere Palmberghockete ein voller Erfolg verbuchen. Besonders gefreut hat uns der Besuch unserer Bürgermeisterin. Die fleißigen Bedienungen, die zwischen Hütte, Zelt und Fallschirm gelaufen sind, hatten alle Hände voll zu tun. Zusammen mit den Helfern am Currywurststand, dem Backhäusle, im Kuchenstand, an der Theke und am Spülmobil haben alle gemeinsam den Tag gerockt. Vielen Dank an alle die einen Kuchen gespendet haben und so für eine reichliche Auswahl gesorgt haben. Auch unser Schweinebraten aus dem Backhäusle war wieder ein voller Erfolg.

Vielen Dank an die Helferinnen und Helfer

Wir bedanken uns recht herzlich bei den Helferinnen und Helfern die bei den Vorbereitungen, der Durchführung und dem Abbau für das Maibaumaufstellen und die Palmberghockete mit vollem Einsatz dabei waren und zum Gelingen beigetragen haben.

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Kriegsende in Poltringen – Themenabend am 16. April 2019 um 18:00 Uhr in der Palmberghütte

An diesem Abend werden wir uns mit der Frage beschäftigen:
Wie erlebten die Menschen in Poltringen das Ende des 2. Weltkrieges?
Interessant wird der Abend auch, wenn „Zeitzeugen“ zu Wort kommen.
Alle, die das Kriegsende noch in Erinnerung und alle, die Interesse an der Geschichte haben sind zu diesem interessanten Abend eingeladen
Wir beginnen bereits um 18.00 Uhr, damit es nicht zu „spät“ wird.
Zum Essen gibt es Saitenwürstle und Brot.
Die Arbeitsgemeinschaft „Poltringer Ortsgeschichte“ freut sich auf viele Teilnehmer!

Do ganget mir nah

30. April 18:30 Uhr Maibaumaufstellen
Mit der freiwilligen Feuerwehr Poltringen
und dem „Blechhaufa“

1. Mai ab 10:30 Uhr Palmberghocketse
Musikalische Unterhaltung mit den „Roaler“ aus Oberndorf.
Schweinebraten aus dem Backhäusle
Kaffee und Kuchen.

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Kriegsende 1945

Für Poltringen endete der 2. Weltkrieg zwölf Tage nach dem tödlichen Tieffliegerangriff vom 06.04.1945 am 19.04.1945 um 10 Uhr. Für ganz Deutschland erst 19 Tage später. Von Reusten her rückte eine Kompanie französischer Kolonialtruppen aus Marokko in Poltringen ein, besetzte den Ort und beendete für Poltringen den Krieg.

Eine Panzersperre aus Balken auf Höhe der Schmalstelle am Amtshaus des Wasserschlosses wurde zum Glück in der Nacht davor beherzt von Wilhelm Gässler und Andreas Schmid, dem Vater des späteren Ortsvorstehers Meinrad Schmid, der wegen starker Kurzsichtigkeit nicht eingezogen worden war, mit einer Kuh entfernt und auf dem Schafstall am Ortseingang eine weiße Fahne gehisst. Wurden Panzersperren nicht beseitigt oder sogar verteidigt führte das normalerweise dazu, dass der Ort bis zur Aufgabe oder Zerstörung beschossen wurde.

Diese sehr mutige Aktion, die in anderen Orten (z.B. in Heilbronn) mit der Hinrichtungen der Beteiligten auch aus minderem Anlass endete, führte dazu, dass es keine Kampfhandlungen bei der Einnahme des Dorfes gab, nur zwei Personen verletzt wurde und alle Wohngebäude unbeschädigt blieben. Zudem war in der Nacht auch der zur Verteidigung der Panzersperre abgestellte Volkssturm aus ca. 20 alten Männern und Jugendlichen, der in der Bizenbergerschen Scheune lagerte, abgezogen.

Trotzdem erlitten die etwa 600 Einwohner (davon über 60 Fremd- und Zwangsarbeiter sowie französische Kriegsgefangene) dann in den nächsten Tagen Übergriffe, Plünderungen, Requirierungen und mindestens 12 Vergewaltigungen (im gesamten Landkreis schätzt man – vorsichtig – bis zu 2.000 Vergewaltigungen durch hauptsächlich nordafrikanische Soldaten, z.B. in Talheim drei Viertel aller Frauen) bis die Truppen Ende April den Ort wieder verließen. Die Fremd- und Zwangsarbeiter sowie französischen Kriegsgefangenen waren an Übergriffen aber nicht beteiligt und schützen in manchen Fällen Familien vor Übergriffen, was für ihre gute Behandlung im Ort spricht. Es wurden lediglich NSDAP Mitglieder und einzelne Personen, die diese schlecht behandelt hatten, angezeigt.

Die NSDAP Mitglieder mussten dann später auch die am Hailfinger Flugfeld und KZ Außenlager in Massengräbern verscharrten jüdischen Zwangsarbeiter (es starben in den 3,5 Monaten der Nutzung des Lagers für diese Gruppe zwei Drittel der etwa 600 Inhaftierten; über 200 Leichen liegen dort heute noch in unentdeckten Massengräbern) exhumieren und wurden dabei teils von ihren Bewachern aus Entsetzen und Rache schwer misshandelt (zwei Nicht-Poltringer kamen dabei sogar ums Leben). Poltringen in dieser Zeit durchziehende Kolonnen deutscher Kriegsgefangener durften nicht verpflegt werden. Fast 150 Poltringer Männer waren zu diesem Zeitpunkt eingezogen, wovon etwa ein Drittel fiel oder vermisst blieb. D.h. es blieb fast jeder zehnte Einwohner und fast jeder vierte erwachsene Mann in Poltringen im Krieg.

Weitere Informationen, neben den Zeitzeugenbericht von Meinrad Schmid, sowie Dokumentationen des KZ Außenlagers, die für diesen Artikel genutzt wurden, sind in „Einmarsch, Umsturz, Befreiung – Das Kriegsende im Landkreis Tübingen Frühjahr 1945“ von Dr. Sannwald (Hrsg.), 1995, Verlag Schwäbisches Tagblatt, zu finden.

Wer hier vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de) oder am 16.04.2019 um 18 Uhr in die Palmberghütte zu unserem Thementreffen „Kriegsende“ kommen und Fotos und Erlebnisberichte mitbringen.

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter