Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Gässle-Brünnele-Kanal

Wer weiß etwas zu diesem historischen Kanal oder dessen Quellort?

HWV AG - Gässle-Brünnele-KanalAm Aischbach (-graben) direkt am Feldweg Richtung Oberndorf („Gässle“) gibt es einen Brunnen, der „(Gässle-) Brünnele“ genannt wird. Dieser ist erstmal schriftlich auf S. 17 des „Heimatbuch der Gemeinde Poltringen“ von 1971 erwähnt:

„…Der Aischbachgraben ist der Abzugsgraben dieses Eschteils, der bis zurück in den Aischwinkel reicht und im sogenannten Gäßle – Vic. Weg 8/1 – durch eine immerfließende Quelle besten Trinkwassers verstärkt wird.“

Es wird zudem berichtet, dass es wohl früher ein sog. „Kleines Brünnele“ (heutiger Brunnen) und ein „Großes Brünnele“ (etwas talabwärts, direkt dort wo geteerter Weg Richtung Berg nach Süden abzweigt und dann rechts in Winkel zwischen den zwei Wegen) gab? (Hat hierzu jemand Bilder oder Karten?)

Entdeckung historischer Kanal:

Da der Brunnen in der 1990er Jahren versiegte oder schwächer floss, wurde der Verlauf der Wasserröhre von Poltringer Einwohnern aufgegraben um das Leck zu finden (und dann mit Kanaldeckelversehen). Dabei stieß man überraschenderweise nach ca. 20 Metern auf einen fast rechtwinklig parallel zum Aischbach (-graben) verlaufenden steingemauerten nach allen Seiten geschlossenen Kanal, aus dem sich die Brunnenröhre speiste.

Dieser Kanal war bis dahin weder den Einwohnern bekannt, noch findet er sich auf irgendeiner (historischen) Karte. Da damals nur der Zusammenfluss von Kanal und Röhre aufgegraben wurde, ist der weitere Verlauf Richtung Quelltopf (Richtung Oberndorfer Wald oder Heidenwald?) oder der weitere Verlauf Richtung Ammertal unbekannt. (Weiß dazu jemand etwas?)

Alter des Kanals:

Eine Anfrage anhand der Bilder an das Landesdenkmalamt Tübingen 2018 ergab Folgendes:

Datierung: Soweit sich das nach den beigefügten Fotos beurteilen lässt, ist eine römische Zeitstellung unwahrscheinlich. Art und Weise der Steinsetzung spricht für eine Entstehungszeit frühestens im (ausgehenden) Mittelalter, eher aber in der Neuzeit (also nach 1500). Eine nähere zeitliche Eingrenzung ist aber wg. der doch nicht besonders guten Qualität der Fotografien nicht möglich. Funktion: Auch wenn Poltringen früher deutlich kleiner war als heute, so darf man den Wasserbedarf einer ganzen Gemeinde nicht unterschätzen – immerhin mussten Mensch und Tier mit Trinkwasser versorgt werden. In vielen Fällen reichte das Wasser eines durch den Ort fließenden Bachs (oder mehrerer, wie im Fall Poltringen) irgendwann nicht mehr aus, um den gesamten Bedarf zu decken. Ich gehe daher davon aus, dass man (wann auch immer) das Wasser aus der Quelle im Wald in Richtung Dorf leitete. Auf einem der Fotos sieht es so aus, als ob der Boden des Kanals versintert sei – d. h. als ob das Wasser hier über längere Zeit offen durchgeleitet wurde. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass das Wasser durch hölzerne Deicheln (die seitlich und nach oben durch Steine geschützt waren) geleitet wurde.

Weiteres Vorgehen:

Im Herbst 2018 wurde der Kanal nochmals von Armin Haar ausgegraben (Bild unten; Privatbesitz: Boris Dieter), vom Landesdenkmalamt dokumentiert, eingemessen und wieder verfüllt.

Mit folgenden Methoden könnte der Kanalverlauf und der Quellort eventuell gefunden werden:

  • Wasseruntersuchung: dies wurde angestoßen; aus der Wasserqualität könnten dann Rückschlüsse auf den geologischen Quellort gezogen werden
  • Kanalsondierung: dies ist angedacht; durch ein Rohrreinigungsunternehmen könnten durch eine Kanalsondierung Erkenntnisse über den weiteren Verlauf des Kanals gewonnen werden
  • „elektromagnetische“ Sondenmessung: dies ist angedacht; durch eine oberirdische Sondenmessung könnte der Verlauf des Kanals ggf. bis zur Quelle verfolgt werden, hierfür fehlt allerdings derzeit der Zugriff auf entsprechende Geräte oder Experten (Hat hier jemand Kontakte?)

Offene Fragen:

Wo liegt die Quelle, die diesen Kanal speist? Wie ist der weitere Verlauf des Kanals ober- und unterhalb der „Brünnele“-Abzweigung? Welchen Zweck oder Ziel hatte der Kanal? Warum hat man vor mehreren hundert Jahren sich so große Mühe gemacht parallel neben einem Bachlauf einen aufwändigen und teuren Kanal zu bauen? Wer war Erbauer / Auftraggeber?

Da der Kanalverlauf und der Quellort daher immer noch im Dunkeln liegen, brauchen wir Ihre Hilfe. Wer hierzu mit vertiefenden Informationen, Karten oder Bilder unterstützen kann, sollte sich bitte bei unserer AG (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de), bei Armin Haar (07073-73 18) oder Boris Dieter (07073-300 769) melden. Zu der Suche gibt es eine bebilderte zehnseitige Dokumentation, die gerne angefordert werden kann.

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Beschreibung Poltringens in der Herrenberger Oberamtsbeschreibung von 1855 (Teil 2 von 2)

„Das Klima ist gesund und ziemlich mild, übrigens für den Weinbau etwas zu rauh, daher dieser immer mehr abnimmt, indem Fröste im Frühjahr und Herbst, wie auch schädliche Nebel demselben entgegen wirken; auch die feineren Obstsorten wollen nicht gedeihen, daher meist nur Mostsorten und Zwetschgen gezogen werden und zwar in einer Ausdehnung, die in günstigen Jahren noch einen Verkauf nach Außen zuläßt. Hagelschlag kommt selten vor. Die Landwirthschaft wird gut betrieben und zur Besserung des Bodens kommt neben den gewöhnlichen Düngungsmitteln die Jauche sehr fleißig in Anwendung; der deutsche Pflug ist noch ziemlich allgemein und die Walze wird selten benützt. Nach der Dreifelder-Eintheilung mit zu 1/4 angeblümter Brache baut man hauptsächlich Dinkel, Hafer, weniger Gerste und auf mageren Böden Einkorn und etwas Wicken; in der Brache kommen Futterkräuter, namentlich Esper, wenig Angersen und Reps zum Anbau, während die Kartoffeln im Haferfeld gezogen werden. Hanf und Kraut pflanzt man in eigenen Ländern. Auf den Morgen werden 8 Simri Dinkel, 4 Simri Hafer, ebensoviel Gerste und Einkorn ausgesäet; der Ertrag wird zu 7–8 Scheffel Dinkel, 5–6 Scheffel Hafer, eben so viel Gerste und 5 Scheffel Einkorn per Morgen angegeben. Dinkel und Hafer kommt viel nach Tübingen zum Verkauf. Die höchsten Preise eines Morgens Acker sind 400 fl., die mittleren 200 fl. und die geringsten 50 fl. Der Wiesenbau begreift etwa 100 Morgen, von denen nur 10 Morgen Wässerung zukommt. Da diese Fläche im Verhältniß zu dem vorhandenen Viehstand zu gering ist, so waren die Einwohner von Poltringen genöthigt, auf der Markung Pfäffingen Wiesen anzukaufen und überdieß durch fleißigen Anbau von Futterkräutern nachzuhelfen. Die Wiesen sind mit Ausnahme einiger sauern sehr gut und ertragen durchschnittlich per Morgen 30–32 Centner Heu und 15 Centner Öhmd. Die Preise eines Morgens bewegen sich von 400–500 fl.

Der Rindviehstand, in einem kräftigen Neckarschlag bestehend, ist gut und wird durch zwei Farren, welche ein Bürger Namens der Gemeinde um jährlich 60 fl. und der Nutznießung von zwei Morgen Wiesen hält, nachgezüchtet. Von den Einwohnern wird auf benachbarten Märkten ziemlich lebhaft mit Vieh gehandelt. Schweinezucht wird nicht betrieben und Geflügel nur für den eigenen Bedarf gehalten. Von den Gewerben im Dorf sind nur zwei Schildwirthschaften und zwei Kramläden zu nennen. Vicinalstraßen gehen nach Oberndorf, Reusten und Unter-Jesingen.

An Waldungen erhielt die Gemeinde vom Staat im Jahre 1820 für eine Schönbuchsgerechtigkeit 88 Morgen, von denen 1/3 mit Forchen kultivirt wurde; dermalen liefern dieselben alle 2–3 Jahre etwa 2700 Stücke Wellen oder 4–6 Klafter Holz, welche an die Bürgerschaft vertheilt werden. Überdieß besitzen noch 2/3 der Gemeindeangehörigen etwa 80 Morgen Privatwaldungen, so daß einem Bürger 1/4–2 Morgen zukommen. Etwa 60–70 Morgen Weiden, welche nebst der Brach- und Stoppelweide zur Schäferei verpachtet sind, tragen jährlich mit Einschluß der Pferchnutzung gegen 800 fl., wovon die Gemeinde 7/9, die übrigen 2/9 aber die Gutsherrschaft bezieht. Die Gemeindepflege erzielt überdieß aus Gemeindegütern jährlich etwa 110 fl. Pacht. Bis zur Ablösung hatte die freiherrlich v. Ulm’sche Grundherrschaft und der Staat Gefälle zu beziehen. Letzterer bezog den großen Zehenten; den kleinen Zehenten hatte derselbe abwechslungsweise mit der Pfarrei. Auf den Schloßäckern, einer Anhöhe nördlich vom Ort, von der man eine äußerst freundliche Aussicht genießt, stand die Burg Ober-Poltringen, die vor etwa 70 Jahren vollends abgetragen wurde. Nördlich dieser Stelle auf den sogenannten Steinäckern, auch Enderleshaus genannt, finden sich Spuren eines römischen Wohnplatzes (s. hier den allg. Theil).

Der Ort, welcher als Boltringen im Jahre 1191 erstmals vorkommt, auch Oberkirch hieß (Oberkirch sive Poltringen Urk. von 1299 Juni 22, Schmid 56), gehörte den Pfalzgrafen von Tübingen und hatte der Hauptsache nach gleiche Schicksale mit Oberndorf. Von hiesigen Ortsadeligen erscheinen Heinrich Zeuge Pfalzgraf Rudolfs von Tübingen bei der Stiftung des Klosters Bebenhausen den 30. Juli 1191 (Schmid Urk. 7), Wolpot und Conrad als Zeugen Pfalzgraf Wilhelms von Tübingen den 9. Juni 1236. Eine hiesige Burg wurde um Jacobi 1283, in Zeiten als König Rudolf den Landfrieden gebot, gebrochen (Chronicon Sindelfingense). Später wurden zwei Burgen neu errichtet.“

Auslassung zu herrschaftlicher Besitzhistorie –
Der vollständige Text ist hier zu finden: https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Herrenberg/Kapitel_B_22

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Poltringer Heimatgeschichte – Einladung

Das nächste Treffen der „Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte“ ist am 27.11.2018 um 20 Uhr in der Palmberghütte. Wer bei ortsgeschichtlichen Themen aktiv mitarbeiten will, ist hierzu herzlich eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft freut sich immer über das Beisteuern von Bildern und Geschichten.

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Beschreibung Poltringens in der Herrenberger Oberamtsbeschreibung von 1855 (Teil 1 von 2)
„Kapitel B 22 „Poltringen“: Gemeinde III. Klasse mit 643 Kath. und 7 Evangel. Einwohnern. – Kath Pfarrei. Die Evangel. sind nach Reusten eingepfarrt.

Das Dorf Poltringen, mit einem dem Freiherrn von Ulm gehörigen Schloß, hat eine angenehme, gegen Norden geschützte Lage in dem schmalen Ammerthale, welches sich unterhalb (östlich) des Dorfs zu einem üppigen Wiesengrunde erweitert, an den sich fruchtreiche, ganz leicht ansteigende Ackergelände anlehnen, während zunächst des Orts die Muschelkalkthalwände noch ziemlich stark ausgesprochen sind. Durch das Dorf fließt die zu einem Flüßchen herangewachsene, muntere Ammer, welche am östlichen Ende des Orts eine Säge-, Öl- und Gyps-Mühle und in der Nähe des Schlosses eine dem Freiherrn von Ulm gehörige Mühle mit drei Mahlgängen und einem Gerbgang in Bewegung setzt. Über das Flüßchen führt innerhalb des Dorfes eine hölzerne – und außerhalb desselben eine steinerne Brücke.

Das 21/2 Stunden südöstlich von Herrenberg und zwei Stunden westlich von Tübingen gelegene Dorf gehört zu den mittelgroßen des Bezirks und besteht bei einer ziemlich unregelmäßigen Anlage meist aus einfachen – zum Theil Armuth verrathenden Wohnungen; die Ortsstraßen, denen übrigens die Kandelung noch abgeht, befinden sich in ziemlich gutem Zustande.

Auslassung zu Pfarrkirche zum hl. Stephan und Kirche zum hl. Clemens –

In der Nähe der Clemenskirche ist frei und angenehm gelegen das Pfarrhaus, dessen Unterhaltung dem Freiherrn von Ulm obliegt. Das in den 1780ger Jahren erbaute Rathhaus, in welchem auch die Schulzimmer eingerichtet sind, steht an der Hauptstraße im südlichen Theil des Orts. Für den Lehrer an der Volksschule, neben welcher seit einem Jahrzehent noch eine Industrie-Anstalt besteht, ließ die Gemeinde im Jahr 1838 zunächst des Pfarrhauses eine eigene Wohnung herstellen.

Auslassung zu Schloss Poltringen –

Der Ort ist mit sehr gutem Trinkwasser, welches zwei laufende und zwei Schöpfbrunnen liefern, das ganze Jahr hindurch hinreichend versehen; periodisch fließende Quellen (Hungerbrunnen) befinden sich in der Leimengruben und im Kornberg. Etwa 1/4 Stunde nördlich vom Ort in der Nähe des Roßbergs besteht ein See, der übrigens häufig trocken liegt.

Die Einwohner, deren Hauptnahrungsquellen in Feldbau und Viehzucht bestehen, sind im Durchschnitt gut gewachsene, sehr fleißige, ruhige Leute, die sich übrigens in sehr mittelmäßigen Vermögensumständen befinden, wie denn der Begütertste nur 20 Morgen Felder besitzt. Die Zahl der Unbemittelten, denen leider Gelegenheit zum Verdienst mangelt, hat namentlich in Folge der Abnahme der früher stark getriebenen Flachsspinnerei sehr zugenommen. Die Ortsmarkung, von der die Gutherrschaft 1/3 besitzt, wogegen die Poltringer sich auf der Markung von Entringen, mit etwa 70 Morgen angekauft haben, ist nicht groß und hat im Allgemeinen einen mittelfruchtbaren Boden; er besteht theils aus Lehm mit einem die Feuchtigkeit nicht durchlassenden Untergrund, theils aus schwerem Thonboden und aus mageren Mergeln und Sandsteinplättchen der Lettenkohlengruppe. Wegen des häufigen, thonigen Untergrundes ist der Ertrag der Felder in nassen Jahrgängen geringer als in trockenen. Die besten Güter liegen in Engwiesen, Gairen, auf dem Aischbach, im oberen Feld, in Malmen etc.“

Teil 2 des historischen Textes folgt in der nächsten Ausgabe.

Der vollständige Text ist hier zu finden: https://de.wikisource.org/wiki/Beschreibung_des_Oberamts_Herrenberg/Kapitel_B_22

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Poltringer Heimatgeschichte

Ein Heuwagen von 1940
Ein tolles Fundstück aus der Poltringer Schlossscheuer.
Link zum PDF

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Fliegerangriff
Im 2. Weltkrieg gab es in Poltringen selbst nur 2 Todesfälle durch einen Fliegerangriff. Dieser fand Anfang / Mitte April 1945 kurz vor dem Einmarsch der Franzosen am 19.04.1945 durch eine Militärmaschine im Tiefflug statt.
„Das war für mich als Kind, Geburtsjahrgang 1937, ein sehr tragisches Ereignis. Ich wohnte damals mit meiner Mutter ganz nahe am Ort des Geschehens, in der Hauptstraße 28. Mein Vater war im Krieg. Es gab den von uns allen sehr gefürchteten Fliegeralarm. Ich schaute aus dem Fenster und sah, wie ein feindlicher Flieger ganz tief flog und im nächsten Moment ging auch schon die Schießerei los.

Was war geschehen? Ein Auto mit zwei hochkarätigen NS-Funktionären im Fond und einem französischen kriegsgefangenen Fahrer sollte von Tübingen nach Herrenberg fahren. Gegenüber des Anwesens der Bäckerei Euper stand früher das Rathaus und noch ein Privathaus. Die Straße war sehr eng dort.

Der damalige Bürgermeister Josef Schmid stoppte dort das Fahrzeug und sagte, dass bei Fliegeralarm das Weiterfahren verboten sei. Nach wenigen Minuten gaben die Insassen dem Fahrer jedoch den Befehl, weiterzufahren. Sie kamen nicht weit, nur bis zum Gebäude Wagner (früher Gemischtwarenhandlung)  Dort wurde das Feuer eröffnet. Die beiden Männer im Auto wurden schwer getroffen.

Einer der Männer stieg noch aus dem Auto, nach wenigen Metern ist er  jedoch tot zusammengebrochen. Der 2. Mann starb auf dem Rücksitz des Autos und genau unter dem dort auf einer kleinen Mauer stehenden Steinkreuz. Hinter dieses Kreuz hatte sich ein Fußgänger, ein junger Mann aus Litauen, in seiner Todesangst geflüchtet und blieb unverletzt. Auch der Fahrer des Autos blieb unverletzt.
Es war wohl in Poltringen bekannt, dass der Mann, welcher direkt unter dem Kreuz starb, mit dabei gewesen sein soll, als Bischof Sproll  von den Nazis aus seinem Rottenburger Sitz gefangengenommen wurde, um ins Konzentrationslager interniert zu werden. Es war bekannt, dass dies eine ganz üble und beschämende Aktion der Nazis war, bei der u. a. auch mit faulen Eiern geworfen wurde.“
Aufgezeichnet von  Hanne Baur geb. Vogelmann, damals wohnhaft Poltringen, Hauptstraße 28

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann (z.B. Bilder /  Beschreibungen / Namen der Opfer kennt?) oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Zweites Treffen der „Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte“

Am 18.09.2018 traf sich die Arbeitsgemeinschaft Poltringer Heimatgeschichte zum zweiten Mal, dabei gesellten sich neue Geschichtsinteressierte hinzu. Boris Dieter und Meinrad Schmid berichteten vom erfolgreichen Tag des Offenen Denkmals.
Intensiv wurde auch über den drohenden Verkauf der Schlossscheuer gesprochen. Ziel soll sein, so waren sich alle einig, die Schlossscheuer als historisches Gebäude in Poltringen zu erhalten und einen Verkauf abzuwenden.
Für das Projekt Katalogisierung der „Schlossscheuerschätze“ fand sich erfreulicherweise ein Viererteam.
Die Anwesenden waren sich einig, dass Erzählungen, Geschichten oder Erlebnisse von früher in Schriftform oder als Tonaufnahme für spätere Generationen erhalten werden sollten. Wir laden alle Poltringer ein, bei diesem Projekt mitzumachen. Kennen Sie interessante Geschichten, Erlebnisse oder Erzählungen von früher? Dann schicken Sie sie sehr gerne an heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de oder an Margot Sailer, Pfalzgrafenring 5 bzw. Tel. 07073/2127.

Als nächstes Treffen wurde der 27.11.2018 um 20 Uhr in der Palmberghütte vereinbart. Wer bei ortsgeschichtlichen Themen aktiv mitarbeiten will, ist hierzu herzlich eingeladen. Die Arbeitsgemeinschaft freut sich immer über das Beisteuern von Bildern und Geschichten.

Öffnung der Schlossscheuer und des Farrenstalls

Während des Schlossmarktes am 14.10.2018 ist für Interessierte erneut die Schlossscheuer und der Farrenstall geöffnet. Schauen Sie doch einfach vorbei, wir freuen uns.

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Poltringer Kulturdenkmale

Poltringen weist einige „Kulturdenkmale“ auf. Diese sind in der Liste der Kulturdenkmale im Flächennutzungsplan 2020 (FNP) der Gemeinde Ammerbuch von 2008 auf S. 194 und 195 zu finden. In Summe sind dies in Poltringen 15 und werden im FNP folgendermaßen beschrieben:

  • Aiblestraße 7, Katholische Pfarrkirche St. Clemens, im Kern romanisch, im 15. Jahrhundert spätgotischer Umbau, Saalkirche mit eingezogenem Chor, Chorseitenturm mit Zeltdach, Umbau 1882, 1967, Deckenmalerei des 19. Jahrhundert, neugotischer Altar mit gotischer Kreuzigungsgruppe (um 1400), sitzende Clemensfigur, konstanzisch, um 1380
  • Aiblestraße 37, Keller mit Kellerhaus, siehe Wasserschloss 1, Wasserschloss Poltringen
  • Ehinger Straße 8, vor dem Haus, am Pfarrgartenweg Steinkruzifix über hohem Inschriftsockel und mit Metallkorpus, bezeichnet 1885, samt zwei Prellsteinen und zwei Schutzbäumen
  • Pfarrgartenweg 1, vor dem Haus, Flstnr. 9 Bildstock, Heiligenhäuschen mit Muttergottes, Firstkreuz erneuert, im Schaft bezeichnet 1690
  • Pfarrgartenweg 10, Pfarrscheune, Fachwerk freiliegend, Satteldach, um 1700, Erweiterung nach Osten im 19. Jahrhundert, mit Resten der Kirchhofmauer
  • Pfarrgartenweg 11,Pfarrhaus, zweigeschossiger Putzbau, Erdgeschoss mit Spitzbogentür, erstes Obergeschoss auskragend, um 1500
  • Pfarrgartenweg 11, vor dem Haus Bildstock, verputztes Heiligenhäuschen mit Pieta, 18. Jahrhundert
  • Pfarrgartenweg 12, Zehntscheune der Bebenhäuser Pflege Roseck, Massivbau mit Eckquaderung und Satteldach, Typus Mitteltennenscheune, 1610 erwähnt
  • Poltringer Hauptstraße 87, Katholische Kirche St. Stephan, Mitte 13. Jh., 1750/62 Langhausneubau und Barockisierung, mehrfach, zuletzt 1982 restauriert, Westturm mit Zwiebelkuppel, vierjochiger Saal mit Stichkappengewölbe, Sakramentshaus, um 1500, Rokoko-Hochaltar, Kruzifix, spätes 13. Jahrhundert, steinerne Totenleuchte (14. Jahrhundert),samt Friedhof mit Mauer, darin Priestergrabmal, 1879; Hl. Georg eines früheren Gefallenenehrenmals 1914/18 von Karl Kunolt; in der Südostecke Standort einer bereits 1829 abgebrochenen Kapelle („Grufthaus“) erkennbar.
  • Poltringer Hauptstraße 87, nordwestlich der Kirche, Flstnr. 816 Ammerbrücke, steinerne Bogenbrücke, Anfang 19. Jahrhundert oder älter, mit neuerem Geländer
  • Turnerstraße 1 (abgerissen 2010), Wohnhaus, dreigeschossiger verputzter Fachwerkbau, im massiven Sockelgeschoss Rundbogentor, Obergeschosse traufseitig auskragend, um 1600, mit jüngerem Anbau
  • Wasserschloss 1, 2, 3, 4, 6, Aiblestraße 37 Schloss Poltringen, bestehend aus dem Herrenhaus (Wasserschloss 3), dreigeschossiger vierflügeliger Massivbau mit Ecktürmen und zwei Erkern, Portal mit Wappen derer von Wolkenstein und Eberstein, 1613 von Baumeister Winlandt nach Entwürfen von Heinrich Schickhardt; und dem Amtshaus (Wasserschloss 2), zweigeschossiger Massivbau mit Satteldach, Eckquaderung mit Konsolfigur, Zwillingsfenstern und vermauertem Rundbogen im Obergeschoss, Stockwerksgesims, wohl 16. Jahrhundert; der Remise, heute Wohnhaus (Wasserschloss 1), eingeschossiger Putzbau mit Ökonomieteil, 18. Jahrhundert, dem Fruchtkasten (Schlossscheune, Wasserschloss 4), zweigeschossige Ökonomie mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv mit profilierten Rundbögen, Obergeschoss Fachwerk, 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in veränderter Form wieder hergestellt, der Schlossmühle (Wasserschloss 6), bestehend aus dem Mühlengebäude, zweigeschossiger Putzbau mit Staffelgiebel, Radstube und Mühlrad; samt Scheune und Wasserbau (Mühlekanal), dem Keller (Aiblestraße 37) mit Kellerhaus in Bruchstein und Rundbogentor, um 1600, sowie der Hoffläche und dem umgebenden Wassergraben samt gewölbter Steinbrücke und Ummauerung (nördliche Mauer mit zurückgesetzter Einfahrt und Torpfosten, und Gartenummauerung zwischen Wassergraben und Mühlkanal)

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Schlossscheuer Poltringen

Schlosshof 1905Neben dem Schloss ist in dem Ensemble rund um den Schlosshof das größte Gebäude die Schlossscheuer (bzw. der Fruchtkasten).

Diese wird in der Liste der Kulturdenkmale des Landesdenkmalamtes folgendermaßen beschrieben:
„Fruchtkasten (Schlossscheune), zweigeschossige Ökonomie mit Satteldach und Mittelrisalit, Erdgeschoss massiv mit profilierten Rundbögen, Obergeschoss Fachwerk, 16. Jahrhundert, nach Brand 1930 in veränderter Form wieder hergestellt. Es handelt sich um den ehemaligen Fruchtkasten (Schlossscheune, Wasserschloss 4), der in seinem Erdgeschoss wohl noch aus dem 16. Jahrhundert stammt, und sein heutiges Aussehen mit den rein konstruktiven Fachwerkwänden dem Wiederaufbau nach einem Brand im Jahr 1930 verdankt. Dieses einst in seiner Kubatur noch stattlichere Gebäude lässt im Erdgeschoss des Mittelrisalits deutlich seine historischen Wurzeln erkennen. Hier haben sich zwei reich profilierte und ornamentierte Rundbogenportale erhalten, von denen das linke, breitere den Zugang zur Kellertreppe ermöglicht. Sie erschließt einen weiträumigen Keller und einen kleinen Nebenraum auf halber Treppenhöhe. Das rechte, schmalere Eingangstor führt zum Treppenaufgang in die Lagerräume.“

In der Herrenberger Oberamtsbeschreibung von 1855 findet sich dieser Hinweis:
„Zunächst des Schlosses steht das vormalige Amtshaus und eine im alten Styl massiv erbaute, mit einem Staffelgiebel versehene Mühle, außer welcher noch mehrere Öconomiegebäude vorhanden sind, unter denen sich der dem Schloß gegenüberstehende Fruchtkasten durch seine Großartigkeit und seinen massiven Bau auszeichnet. Sämtliche Gebäude schließen einen namhaften Hofraum ein, außerhalb dessen steht zunächst an der am Schloßhofe vorüberführenden Vicinalstraße eine Kelter.“

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann (z.B. Bilder / Beschreibungen der Schlossscheuer besitzt oder kennt?) oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter