Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Wie hat Poltringen früher gewählt?

Da es erst in der Weimarer Republik ab 1918 ein allgemeines, freies, gleiches, unmittelbares und geheimes Wahlrecht gab, wird hier nur der Zeitraum ab 1918 betrachtet. Vorher durften nicht wählen:

  • alle Frauen,
  • wer keine Grundsteuern zahlte (das galt für die meisten Bürger)
  • und wer nicht mindestens 25 Jahre alt war

D. h. wahlberechtigt waren vor 1918 damit nur ca. 20% der Bevölkerung.

Zwischen 1918 und 1933 wählte Poltringen bei den Reichstagswahlen stabil zu über 70 / 80% das bürgerlich-konservative (katholische) Zentrum. Bei der letzten freien Wahl vor dem Kriegsende, der Reichstagswahl 05.03.1933, war in Poltringen weiterhin die Zentrums-Partei mit über 60% Wahlsieger; die anderen (rechten, linken oder liberalen) Parteien konnten hier immer noch relativ wenig Stimmen erlangen, obwohl es sonst im Parteienspektrum in den Jahren davor anderorts gravierende Umschichtungen gab. Im Unterschied zum generellen Trend lag auch die NSDAP nur bei 37% (im benachbarten Reusten hatte die NSDAP zeitgleich mit 86% ihr bestes Ergebnis im gesamten Oberamt Herrenberg, das Durchschnitt von 58% NSDAP Stimmen hatte, im Land waren dies 42% und reichsweit 44%). In Poltringen überwog damit weiter überdurchschnittlich die katholische Prägung gegenüber der nationalistischen Orientierung (u.a. aus der Promotion „Die Entwicklung der Parteien in Herrenberg 1918 – 1933“ von Rafael Binkowski, 2007, und „Politische Räume im Landkreis Tübingen während der Weimarer Republik“ von Wolfgang Sannwald in „Tubingensia – Impulse zur Stadt- und Universitätsgeschichte“, 2008).

Bei den Bundestagswahlen nach dem Krieg von 1949 bis 1971 ergaben sich folgende, wieder stabil weit mehrheitlich bei der früher christlich-konservativen CDU liegenden, an die Vorkriegstradition anknüpfenden, Zweitstimmenanteile für Poltringen (nur Ergebnisse über 5%):

  • 1949 CDU 80,6%, SPD 9,4%, FDP 6,9%, Sonstige 3,1%
  • 1953 CDU 81,2%, SPD 7,7%, FDP 4,5%, Sonstige 6,6%
  • 1957 CDU 73,0%, SPD 11,8%, FDP 12,3%, Sonstige 2,9%
  • 1961 CDU 73,9%, SPD 14,1%, FDP 9,5%, Sonstige 2,5%
  • 1965 CDU 71,1%, SPD 18,4%, FDP 7,9%, Sonstige 2,7%
  • 1969 CDU 68,6%, SPD 23,1%, FDP 1,9%, NPD 5,7%, Sonstige 0,8%

Mit Gründung der Gemeinde Ammerbuch 1971 ging dann die Gemeinde Poltringen als Wahlbezirk in der neuen Gemeinde auf und zeigte in den Jahren von 1972-2017 folgende, weiter die CDU, wenn auch meist stetig abnehmend, als stärkste Partei aufzeigende, Wahlergebnisse (nur Ergebnisse über 5%):

  • 1972 CDU 63,7%, SPD 26,9%, FDP 6,5%, Sonstige 2,9%
  • 1976 CDU 69,6%, SPD 23,3%, FDP 5,8%, Sonstige 1,ó3%
  • 1980 CDU 66,0%, SPD 23,1%, FDP 8,3%, Sonstige 2,6%
  • 1983 CDU 45,9%, SPD 32,8%, FDP 11,3%, Grüne 9,4%, Sonstige 0,7%
  • 1987 CDU 52,6%, SPD 24,6%, FDP 10,0%, Grüne 11,0%, Sonstige 1,7%
  • 1990 CDU 47,8%, SPD 25,8%, FDP 9,6%, Grüne 9,3%, Sonstige 7,5%
  • 1994 CDU 42,0%, SPD 28,0%, FDP 9,0%, Grüne 13,7%, Sonstige 7,3%
  • 1998 CDU 37,2%, SPD 30,8%, FDP 7,6%, Grüne 13,1%, Sonstige 11,3%
  • 2002 CDU 32,2%, SPD 38,9%, FDP 6,5%, Grüne 17,9%, Sonstige 4,5%
  • 2005 CDU 39,4%, SPD 26,5%, FDP 12,0%, Grüne 14,0%, Sonstige 8,0%
  • 2009 CDU 34,0%, SPD 17,4%, FDP 18,5%, Grüne 18,5%, Linke 5,1%, Sonstige 6,5%
  • 2013 CDU 48,4%, SPD 17,1%, FDP 5,6%, Grüne 12,6%, Linke 6,3%, Sonstige 10,0%
  • 2017 CDU 36,0%, SPD 14,2%, FDP 12,5%, Grüne17,8%, AfD 9,0%, Linke 6,6%, Sonstige 3,9%.

Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

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