Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – Gässle-Brünnele-Kanal

Wer weiß etwas zu diesem historischen Kanal oder dessen Quellort?

HWV AG - Gässle-Brünnele-KanalAm Aischbach (-graben) direkt am Feldweg Richtung Oberndorf („Gässle“) gibt es einen Brunnen, der „(Gässle-) Brünnele“ genannt wird. Dieser ist erstmal schriftlich auf S. 17 des „Heimatbuch der Gemeinde Poltringen“ von 1971 erwähnt:

„…Der Aischbachgraben ist der Abzugsgraben dieses Eschteils, der bis zurück in den Aischwinkel reicht und im sogenannten Gäßle – Vic. Weg 8/1 – durch eine immerfließende Quelle besten Trinkwassers verstärkt wird.“

Es wird zudem berichtet, dass es wohl früher ein sog. „Kleines Brünnele“ (heutiger Brunnen) und ein „Großes Brünnele“ (etwas talabwärts, direkt dort wo geteerter Weg Richtung Berg nach Süden abzweigt und dann rechts in Winkel zwischen den zwei Wegen) gab? (Hat hierzu jemand Bilder oder Karten?)

Entdeckung historischer Kanal:

Da der Brunnen in der 1990er Jahren versiegte oder schwächer floss, wurde der Verlauf der Wasserröhre von Poltringer Einwohnern aufgegraben um das Leck zu finden (und dann mit Kanaldeckelversehen). Dabei stieß man überraschenderweise nach ca. 20 Metern auf einen fast rechtwinklig parallel zum Aischbach (-graben) verlaufenden steingemauerten nach allen Seiten geschlossenen Kanal, aus dem sich die Brunnenröhre speiste.

Dieser Kanal war bis dahin weder den Einwohnern bekannt, noch findet er sich auf irgendeiner (historischen) Karte. Da damals nur der Zusammenfluss von Kanal und Röhre aufgegraben wurde, ist der weitere Verlauf Richtung Quelltopf (Richtung Oberndorfer Wald oder Heidenwald?) oder der weitere Verlauf Richtung Ammertal unbekannt. (Weiß dazu jemand etwas?)

Alter des Kanals:

Eine Anfrage anhand der Bilder an das Landesdenkmalamt Tübingen 2018 ergab Folgendes:

Datierung: Soweit sich das nach den beigefügten Fotos beurteilen lässt, ist eine römische Zeitstellung unwahrscheinlich. Art und Weise der Steinsetzung spricht für eine Entstehungszeit frühestens im (ausgehenden) Mittelalter, eher aber in der Neuzeit (also nach 1500). Eine nähere zeitliche Eingrenzung ist aber wg. der doch nicht besonders guten Qualität der Fotografien nicht möglich. Funktion: Auch wenn Poltringen früher deutlich kleiner war als heute, so darf man den Wasserbedarf einer ganzen Gemeinde nicht unterschätzen – immerhin mussten Mensch und Tier mit Trinkwasser versorgt werden. In vielen Fällen reichte das Wasser eines durch den Ort fließenden Bachs (oder mehrerer, wie im Fall Poltringen) irgendwann nicht mehr aus, um den gesamten Bedarf zu decken. Ich gehe daher davon aus, dass man (wann auch immer) das Wasser aus der Quelle im Wald in Richtung Dorf leitete. Auf einem der Fotos sieht es so aus, als ob der Boden des Kanals versintert sei – d. h. als ob das Wasser hier über längere Zeit offen durchgeleitet wurde. Dennoch ist es nicht auszuschließen, dass das Wasser durch hölzerne Deicheln (die seitlich und nach oben durch Steine geschützt waren) geleitet wurde.

Weiteres Vorgehen:

Im Herbst 2018 wurde der Kanal nochmals von Armin Haar ausgegraben (Bild unten; Privatbesitz: Boris Dieter), vom Landesdenkmalamt dokumentiert, eingemessen und wieder verfüllt.

Mit folgenden Methoden könnte der Kanalverlauf und der Quellort eventuell gefunden werden:

  • Wasseruntersuchung: dies wurde angestoßen; aus der Wasserqualität könnten dann Rückschlüsse auf den geologischen Quellort gezogen werden
  • Kanalsondierung: dies ist angedacht; durch ein Rohrreinigungsunternehmen könnten durch eine Kanalsondierung Erkenntnisse über den weiteren Verlauf des Kanals gewonnen werden
  • „elektromagnetische“ Sondenmessung: dies ist angedacht; durch eine oberirdische Sondenmessung könnte der Verlauf des Kanals ggf. bis zur Quelle verfolgt werden, hierfür fehlt allerdings derzeit der Zugriff auf entsprechende Geräte oder Experten (Hat hier jemand Kontakte?)

Offene Fragen:

Wo liegt die Quelle, die diesen Kanal speist? Wie ist der weitere Verlauf des Kanals ober- und unterhalb der „Brünnele“-Abzweigung? Welchen Zweck oder Ziel hatte der Kanal? Warum hat man vor mehreren hundert Jahren sich so große Mühe gemacht parallel neben einem Bachlauf einen aufwändigen und teuren Kanal zu bauen? Wer war Erbauer / Auftraggeber?

Da der Kanalverlauf und der Quellort daher immer noch im Dunkeln liegen, brauchen wir Ihre Hilfe. Wer hierzu mit vertiefenden Informationen, Karten oder Bilder unterstützen kann, sollte sich bitte bei unserer AG (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de), bei Armin Haar (07073-73 18) oder Boris Dieter (07073-300 769) melden. Zu der Suche gibt es eine bebilderte zehnseitige Dokumentation, die gerne angefordert werden kann.

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

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