{"id":2747,"date":"2021-01-26T08:46:00","date_gmt":"2021-01-26T08:46:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2747"},"modified":"2023-02-04T20:18:41","modified_gmt":"2023-02-04T20:18:41","slug":"2747","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2747","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eEntstehung des Poltringer Klosters\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuw\u00fcrttembergischen Lagerb\u00fcchern werden diese auch \u201eSchwestern von Oberkirch\u201c genannt. Erstmals schriftlich erw\u00e4hnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff S\u00e4lder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz S\u00e4lder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges \u00e4lter, denn im Bebenh\u00e4user Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am \u201eNunnenbrunnen\u201c genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich \u201eT\u00e4le\u201c \/ \u201eoberhalb der Stephanuskirche\u201c zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstra\u00dfe liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Begr\u00fcndet wurde das Kloster gem\u00e4\u00df einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gr\u00fcndungsdatum, die Namen der Gr\u00fcnderinnen, noch deren Mitschwestern \u00fcber die Jahrhunderte \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Di\u00f6zese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: &#8222;Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10\u00bd \u00df pro novem sororibus in presentia Georii Xe\u00df, civis Tubingensis.&#8220; (dt.: &#8222;Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden f\u00fcr ihre Person und 10\u00bd Schilling f\u00fcr die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xe\u00df, B\u00fcrger von T\u00fcbingen&#8220;. Der erhobene Steuersatz f\u00fcr die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der \u00c4btissinen der erheblich gr\u00f6\u00dferen und \u00e4lteren Frauenkl\u00f6ster von S\u00e4ckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schlie\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Gregor Xe\u00df k\u00f6nnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in \u00e4hnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der S\u00fclchenkirche erw\u00e4hnt. Da er ein B\u00fcrger der Stadt T\u00fcbingen war, k\u00f6nnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt T\u00fcbingen standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den \u201eRegesten zur Geschichte der Bisch\u00f6fe von Konstanz\u201c von 1941 f\u00fcr den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen best\u00e4tigt hatte.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"350\" height=\"352\" src=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HWV-AG-Entstehung-Kloster.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2748\" srcset=\"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HWV-AG-Entstehung-Kloster.jpg 350w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HWV-AG-Entstehung-Kloster-298x300.jpg 298w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2021\/03\/HWV-AG-Entstehung-Kloster-150x150.jpg 150w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\">Ausschnitt aus B 33 B\u00fcchel 63 HStA \u201eAnsichten der gr\u00e4flich wolkensteinischen, teils eigenen, teils lehenbaren Schl\u00f6sser samt G\u00e4rten, Umland, Neben- und Wirtschaftsgeb\u00e4uden in Poltringen 1695\u201c, (Nr. 22 \u201eAmmerbach\u201c mit Furt ohne Br\u00fccke, Nr. 23 \u201eSt. Stephanus-Kirche\u201c mit Turm damals Richtung Osten, Nr. 23 \u00bd \u201eNonnenhaus, samt zugeh\u00f6rigem Garten\u201c, Nr. 24 \u201eWeg auf Oberndorf\u201c), im Hintergrund durchgehend Weinberge auf den Ammers\u00fcdh\u00e4ngen<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuw\u00fcrttembergischen Lagerb\u00fcchern werden diese auch \u201eSchwestern von Oberkirch\u201c genannt. Erstmals schriftlich erw\u00e4hnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff S\u00e4lder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz S\u00e4lder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges \u00e4lter, denn im Bebenh\u00e4user Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am \u201eNunnenbrunnen\u201c genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich \u201eT\u00e4le\u201c \/ \u201eoberhalb der Stephanuskirche\u201c zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstra\u00dfe liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Begr\u00fcndet wurde das Kloster gem\u00e4\u00df einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gr\u00fcndungsdatum, die Namen der Gr\u00fcnderinnen, noch deren Mitschwestern \u00fcber die Jahrhunderte \u00fcberliefert.<\/p>\n\n\n\n<p>Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Di\u00f6zese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: &#8222;Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10\u00bd \u00df pro novem sororibus in presentia Georii Xe\u00df, civis Tubingensis.&#8220; (dt.: &#8222;Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden f\u00fcr ihre Person und 10\u00bd Schilling f\u00fcr die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xe\u00df, B\u00fcrger von T\u00fcbingen&#8220;. Der erhobene Steuersatz f\u00fcr die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der \u00c4btissinen der erheblich gr\u00f6\u00dferen und \u00e4lteren Frauenkl\u00f6ster von S\u00e4ckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schlie\u00dfen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Gregor Xe\u00df k\u00f6nnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in \u00e4hnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der S\u00fclchenkirche erw\u00e4hnt. Da er ein B\u00fcrger der Stadt T\u00fcbingen war, k\u00f6nnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt T\u00fcbingen standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den \u201eRegesten zur Geschichte der Bisch\u00f6fe von Konstanz\u201c von 1941 f\u00fcr den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen best\u00e4tigt hatte.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg wurde das Nonnenhaus 1647 zerst\u00f6rt, dann wiederaufgebaut, stand aber seit 1665 leer. Die bisher beste und fr\u00fcheste bekannte Darstellung stammt von 1695. Sie zeigt ein ansehliches und gro\u00dfes, fast die damalige Kirche vor dem Umbau (ab 1750) \u00fcberragendes Klostergeb\u00e4ude direkt s\u00fcdlich der St. Stephanus-Kirche. Eine zweite \u00e4hnliche, aber bildlich ungenauere Darstellung stammt von 1705 (hier nicht abgebildet). Auf sp\u00e4teren Karten im Zeitraum von 1705-1750 findet sich bisher kein Hinweis mehr auf das Kloster und es ist zu vermuten, dass es mangels Bedarfs und wegen Bauf\u00e4lligkeit abgebrochen wurde. Vielleicht auch um Baumaterial f\u00fcr den Umbau der Kirche zu erlangen. Lediglich Gewannnamen wie \u201eNonneng\u00e4rtchen\u201c (Teil des heutigen Friedhofs) oder \u201eNonnenweinberg\u201c (am Hang n\u00f6rdlich der St. Stephanus-Kirche) erinnern heute noch an das Kloster.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als \u201eFundst\u00fccke\u201c beitragen m\u00f6chte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte \u00e4t hwv-ammerbuch punkt de).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">F\u00fcr die AG \u201ePoltringer Ortsgeschichte\u201c, Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eEntstehung des Poltringer Klosters\u201c Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. 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