{"id":2662,"date":"2020-07-20T14:36:27","date_gmt":"2020-07-20T14:36:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2662"},"modified":"2020-09-09T14:38:35","modified_gmt":"2020-09-09T14:38:35","slug":"2662","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2662","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eEin Poltringer Pfarrer wird fast w\u00fcrttembergischer Bischof beziehungsweise badischer Erzbischof\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Poltringen hatte mit Heinrich von Brentano von 1795-97 einen Pfarrer mit einer sehr interessanten Lebensgeschichte. Dr. Franz Ernst Heinrich von Brentano aus dem Hause (a.d.H.) Gnosso, wie er vollst\u00e4ndig hie\u00df, lebte von 1768-1831. Er stammte aus einer adeligen lombardischen Familie, die 1282 erstmals urkundlich erw\u00e4hnt wird und aus mehreren Zweigen besteht. Sein Vater selbst ist Berufsoffizier, der im Jahr 1774 im Kampf um Gibraltar bei Cadiz in spanischen Diensten f\u00e4llt. Er ist mit der Rottenburgerin Katharina Gerber verheiratet, in deren Heimat Heinrich von Brentano auch auf die Welt kommt.<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"561\" height=\"534\" src=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/HWV-AG-Pfarrer-von-Brentano.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2663\" srcset=\"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/HWV-AG-Pfarrer-von-Brentano.jpg 561w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/HWV-AG-Pfarrer-von-Brentano-300x286.jpg 300w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/09\/HWV-AG-Pfarrer-von-Brentano-315x300.jpg 315w\" sizes=\"auto, (max-width: 561px) 100vw, 561px\" \/><figcaption> Siegel des Heinrich v. Brentano a.d. H. Gnosso <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Durch den fr\u00fchen Tod seines Vaters wird er bei seinem Onkel in Kempten aufgezogen und studiert dann an den Universit\u00e4ten Dillingen, Freiburg, Salzburg und Wien. Danach folgten Pfarrstellen in Gebratshofen, Poltringen, Hirrlingen und Kirchen bei Ehingen an der Donau.<\/p>\n\n\n\n<p>In Poltringen berichtet die Pfarrchronik neben seiner ebenfalls aktiven Seelsorget\u00e4tigkeit \u00fcber seine T\u00e4tigkeit in Schulangelegenheiten:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie Schule in Poltringen war in dem elendesten Zustande. Selten wurde sie gehalten, und wenn sie auch gehalten wurde, so war sie schlecht; denn der bisherige Lehrer und Mesner Johann Joseph Kittel war zu alt; er stand bereits im zweiundsiebzigsten Lebensjahr. Pfarrer Brentano hielt um einen andern Schulmeister an und bat den Freiherrn von Ra\u00dfler (Vormund des minderj\u00e4hrigen Freiherrn von Ulm), er m\u00f6chte dem alten Lehrer statt einer Entsch\u00e4digung den eben vakant gewordenen Kirchenpflegedienst und dem Ignaz Friz den Schuldienst verleihen. Am 11. November 1795 wurde Mesner Johann Joseph Kittel zum Heiligenpfleger und Ignaz Friz zum Lehrer mit Espektanz auf den Mesnerdienst ernannt. Am 18. November wurde die Winterschule feierlich er\u00f6ffnet. Die Kinder mu\u00dften zuerst alle paarweise mit dem Lehrer in der Kirche erscheinen. Nach der heiligen Messe wurde sodann die seit zwei Jahren unterbrochene Sonntagsschule wieder er\u00f6ffnet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da er auch promovierte, einige B\u00fccher publizierte und sich einen Namen als Religionsp\u00e4dagoge machte, wird er 1805\/06 als erster nachreformatorischer katholischer Stuttgarter Stadt- und Milit\u00e4rpfarrer (seit 1534) f\u00fcr die damals nur rund 140 Katholiken am Hofe und in der Stadt auserw\u00e4hlt und Mitglied des Katholischen Kirchenrates. Seine Pfarrei, deren Kirche dem Hl. Eberhard von Salzburg geweiht ist, wurde zur Haupt- und Mutterpfarrei der Katholischen Kirche in Stuttgart. Erst ab 1806 war es in W\u00fcrttemberg seit fast 300 Jahren ja wieder m\u00f6glich, dass Katholiken am Hofe und in der Stadt ihre Gottesdienste \u00f6ffentlich feiern und eine eigene Pfarrei einrichten durften.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus wohl politischen Gr\u00fcnden und gegen den Willen Roms wurde er dann aber auf Weisung des K\u00f6nigs schon 1808 als Stadtpfarrer nach Radolfzell versetzt und der dortige Stadtpfarrer Johann Baptist von Keller auf seine Stelle nach Stuttgart berufen, von wo er dann 1828 zum ersten Bischof in Rottenburg ernannt wurde. Diese Willk\u00fcrentscheidung des K\u00f6nigs beruhte wohl auf der Entscheidung Brentanos den Ehescheidungsprozess der Kronprinzessin Karolina Augusta von Bayern, der sp\u00e4teren Kaiserin von \u00d6sterreich, in Rom anh\u00e4ngig zu machen. Sie war mit dem w\u00fcrttembergischen Kronprinzen verheiratet worden, um ihm eine Heirat mit einer ihm von Napoleon ausgesuchten Partie zu ersparen. Die Ehe wurde daher auch nie vollzogen. Heinrich von Brentano verblieb in Radolfszell als Pfarrer bis 1816 und wurde dann bis 1828 Pfarrer in L\u00f6ffingen auf der Baar.<\/p>\n\n\n\n<p>1823 will ihn Papst Leo XII. dann sogar zum ersten Erzbischof des Erzbistums Freiburg berufen, was jedoch hier am Widerstand des badischen Gro\u00dfherzogs scheitert. Nach L\u00f6ffingen ist er noch zwei Jahre Pfarrer in Kleinlaufenburg und geht dann 1830 aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden in Freiburg in den Ruhestand, wo er schon 1831 stirbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Freiburger Theologe und Historiker Karl R\u00f6gele hat seine Pers\u00f6nlichkeit folgenderma\u00dfen beschrieben:<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eVon adeliger Abkunft und vornehmer Erziehung war Heinrich v. Brentano mehr Aristokrat als Volksmann, mehr Beamter im Sinne des josephinischen Staatskirchentums als Seelsorger, mehr P\u00e4dagoge als Theologe. Er war ein Mann von hervorragender Begabung, vielseitiger wissenschaftlicher Bildung, unerm\u00fcdlicher T\u00e4tigkeit und tadellosem Lebenswandel. Durch sein leidenschaftliches Temperament machte er sich alle zu Gegnern. Die Hochachtung versagte ihm aber niemand.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: \u201eDer Johanniterorden in Baden-W\u00fcrttemberg\u201c Nr. 128, Dezember 2013, S. 40-42, Artikel von Diethelm L\u00fctze, Stuttgart und \u201eZeitschrift des Kirchengeschichtlichen Vereins f\u00fcr Geschichte, Christliche Kunst, Altertums- und Literaturkunde des Erzbistums Freiburg\u201c, Band 42 (1914), Artikel Karl R\u00f6gele, S. 189-296<\/p>\n\n\n\n<p style=\"text-align:right\">F\u00fcr die AG \u201ePoltringer Ortsgeschichte\u201c, Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eEin Poltringer Pfarrer wird fast w\u00fcrttembergischer Bischof beziehungsweise badischer Erzbischof\u201c Poltringen hatte mit Heinrich von Brentano von 1795-97 einen Pfarrer mit einer sehr interessanten Lebensgeschichte. Dr. Franz Ernst Heinrich von Brentano aus dem Hause (a.d.H.) Gnosso, wie er vollst\u00e4ndig hie\u00df, lebte von 1768-1831. 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