{"id":2650,"date":"2020-07-05T21:36:47","date_gmt":"2020-07-05T21:36:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2650"},"modified":"2023-02-04T20:23:18","modified_gmt":"2023-02-04T20:23:18","slug":"2650","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2650","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201ePoltringer Malefizpersonen\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aus dem Jahre 1578 gibt es ein interessantes Schreiben des Poltringer Versehers (= Pfleger und\/oder Verwalter, ggf. Ortsvorsteher) und des Oberndorfer Schulthei\u00df. Beide Gemeinden geh\u00f6rten ja damals noch kirchlich und herrschaftlich zusammen. In dem Schreiben geht es um Folgendes:<\/p>\n\n\n\n<p>Hans Hartmann, Schulthei\u00df zu Oberndorf, und Mathias Wei\u00df, Verseher zu Poltringen, schreiben an Graf Philipp II. von Eberstein, dem damaligen Ortsherrn von seiner Belehnung 1576 bis zu seinem Tod 1589, ob \u201emalifizierten\u201c Personen in der Grafschaft oder auf Burg Eberstein (bei Gernsbach im Schwarzwald) verurteilt und in Haft gesetzt werden k\u00f6nnten, da vor Ort kein Gef\u00e4ngnis und kein Hochgericht vorhanden sind. Malefizpersonen oder \u201emalifizierte\u201c Personen (von lat. malefacere: \u201eB\u00f6ses zuf\u00fcgen\u201c) ist eine alte Bezeichnung f\u00fcr \u201eStraft\u00e4ter\u201c.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"775\" src=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen-1024x775.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2651\" srcset=\"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen-1024x775.jpg 1024w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen-300x227.jpg 300w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen-768x581.jpg 768w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen-396x300.jpg 396w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Malefizpersonen.jpg 1385w\" sizes=\"auto, (max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> Schreiben der Oberndorfer und Poltringer Gemeindevertreter an den Grafen von Eberstein vom 16.07.1578, Staatsarchiv Wertheim <\/figcaption><\/figure>\n\n\n\n<p>\u00dcbertragung nur des Brieftextes (durch Reinhold Bauer, Entringen):<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p>\u201eWohlgeborner gn\u00e4diger und gebietender Herr, E.(uer) G.(naden)<br> seien unser untert\u00e4nig und gehorsamer willig Dienst,<br> jederzeit zuvor und bereit, gn\u00e4diger Herr, nach<br> dem sich vor kurz verschiener (= vergangener) Zeit, Irrung und zweifaltige<br> Sachen zugetragen, als das in diesen zweien Flecken<br> malefizige Personen in Argwohn, und dar\u00fcber<br> dies Tag die Junkern und mit Vogtherren alhie<br> gewest, und uns befolgen (angewiesen?), wir sollten Euer Gnaden<br> zuschreiben, wann wir solche Personen gef\u00e4nglich<br> einziehen wollten, dieweil allhier kein Gef\u00e4nghaus<br> noch Hochgericht vorhanden, und damit das \u00dcbel bestraft<br> werden m\u00f6chte und auch damit wir ohne Befehl uns<br> der Sachen nicht zuviel annehmen, ob E. G. dieselbigen<br> malefizigen Personen, oder ob sich dergleich Sachen<br> f\u00fcrohin weiters zutragen w\u00fcrden, auf Eberstein<br> gef\u00e4nglich einlegen und strafen lassen wollten,<br> oder wie man sich damit verhalten solle, bitten<br> E. G. derwegen ganz untert\u00e4nig, die wolle uns<br> schriftlich Bescheid darum gn\u00e4dig zukommen lassen<br> wie wir mit solchen F\u00e4llen uns halten sollen,<br> dann woll etwas daran gelegen, hiermit E. G.<br> Gott dem Allm\u00e4chtigen in seinen Schutz und uns zu<br> deren Gnaden, untert\u00e4nig Befehl, Datum<br> den 16. Juli anno 78<br> E. G.<br> untert\u00e4nige und gehorsame<br> Hans Hartmann, Schulthei\u00df zu Oberndorf<br> Mathias Wei\u00df, derzeit Verseher zu Boltringen\u201c <\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Anscheinend hatte man Personen vor Ort, welche schwere Straftaten begangen hatten, aber weder M\u00f6glichkeit diese zu verurteilen, (l\u00e4nger) einzusperren, noch die erforderliche (Todes-) Strafe zu vollstrecken. Wie der Vorgang ausging oder um welche Taten es ging, ist leider nicht \u00fcberliefert. Allerdings ist auf Karten aus dem 17. und 18. Jahrhundert in der N\u00e4he des Harth\u00e4usles (dann?) ein \u201ePoltringer Hochgericht\u201c verzeichnet und im alten Poltringer Rathaus gab es zumindestens dann im 17. Jahrhundert ein Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n\n\n\n<p>Quelle: G-Rep. 102 Nr. 7368 Akten der Gr\u00e4flichen Familie Eberstein, Provenienz Kanzlei Eberstein, Staatsarchiv Wertheim<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als \u201eFundst\u00fccke\u201c beitragen m\u00f6chte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte \u00e4t hwv-ammerbuch punkt de).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">F\u00fcr die AG \u201ePoltringer Ortsgeschichte\u201c, Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201ePoltringer Malefizpersonen\u201c Aus dem Jahre 1578 gibt es ein interessantes Schreiben des Poltringer Versehers (= Pfleger und\/oder Verwalter, ggf. Ortsvorsteher) und des Oberndorfer Schulthei\u00df. Beide Gemeinden geh\u00f6rten ja damals noch kirchlich und herrschaftlich zusammen. 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