{"id":2635,"date":"2020-06-05T21:27:34","date_gmt":"2020-06-05T21:27:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2635"},"modified":"2023-02-04T20:23:51","modified_gmt":"2023-02-04T20:23:51","slug":"2635","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2635","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eDr. Dr. August Hagen \u2013 Pfarrer, Kirchenrechtler, Generalvikar und `Aufr\u00fchrer\u00b4\u201c<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Pfarrer-August-Hagen-702x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-2636\" width=\"182\" height=\"264\" srcset=\"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Pfarrer-August-Hagen-702x1024.jpg 702w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Pfarrer-August-Hagen-206x300.jpg 206w, https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2020\/07\/HWV-AG-Pfarrer-August-Hagen.jpg 753w\" sizes=\"auto, (max-width: 182px) 100vw, 182px\" \/><figcaption class=\"wp-element-caption\"> Bild von August Hagen aus Personalakte des Di\u00f6zesanarchives Rottenburg, ca. Ende der 1940er Jahre <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n<p>Der als Sohn eines Bauern und Webers 1889 in Spaichingen geborene und 1963 dort gestorbene Dr. sc. pol. Dr. theol. August Hagen, der 1928-1936 Pfarrer in Poltringen war, galt in NS-Kreisen als Aufr\u00fchrer, der es der Partei schwer machte im Ort Fu\u00df zu fassen. Dies zeigte sich auch in den Wahlergebnissen, die f\u00fcr die NSDAP in Poltringen im regionalen Vergleich immer unterdurchschnittlich waren.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach Schule in Spaichingen und Rottenburg und Studium in T\u00fcbingen sowie Promotion in Staatswissenschaften und Theologie, wurde August Hagen neben seiner (ersten) Pfarrstelle in Poltringen 1930 Privatdozent an der Universit\u00e4t T\u00fcbingen und 1935 Professor des Kirchenrechts an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg. 1947 kehrte er als Domkapitular bzw. sp\u00e4ter Generalvikar (Leiter der Di\u00f6zesanverwaltung) in die Di\u00f6zese Rottenburg zur\u00fcck, nachdem er in kurzer Folge bei einem Bombenangriff zum Kriegsende sein komplettes Habe und schriftliche Dokumente verloren hatte (ggf. bei dem Gro\u00dfangriff auf W\u00fcrzburg vom 16.03.1945, bei dem 90% der historischen Altstadt zerst\u00f6rt wurden und 4-5000 Menschen starben) und kurz sp\u00e4ter seine Schwester starb, die ihm bisher den Haushalt f\u00fchrte. Aus Zuneigung schenkte ihm darauf, aufgrund des Verlustes seiner materiellen Besitzt\u00fcmer, ein B\u00fcrger aus Poltringen sogar seinen schwarzen Hochzeitsanzug, da August Hagen nur noch die Kleider auf dem Leib besa\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>August Hagen hatte f\u00fcnf Geschwister, die alle unverheiratet blieben und von denen zwei in einen Orden eintraten. Er selbst war in Poltringen ein hingebungsvoller und \u00fcberaus aktiver Ortspfarrer, der sich sehr um die Erhaltung kirchlicher Geb\u00e4ude trotz geringer finanzieller Mittel k\u00fcmmerte. Er schuf z.B. einen Spielplatz f\u00fcr den Kindergarten, hielt Vortr\u00e4ge, organisierte, dass die Umgebung der Klemens-Kirche bepflanzt sowie wieder ansehlich gestaltet wurde und lie\u00df Kochkurse abhalten. Nicht zu seinen Talenten geh\u00f6rte, neben dem Gesang wie der damalige Kirchenchor feststellte, allerdings wohl das Autofahren, das er in seiner Poltringer Zeit erlernte. Denn man erz\u00e4hlte sich augenzwinkernd, dass sein Auto beim Anfahren oft eigent\u00fcmliche Spr\u00fcnge ausf\u00fchrte und eine Kuh in einem Nachbardorf von ihm ihr Geschirr abgefahren bekam. Auch eine glimpflich verlaufene Karambolage in Ehingen ist verb\u00fcrgt.<\/p>\n\n\n\n<p>Er machte schon fr\u00fch \u00f6ffentlich und in der Seelsorge aus seiner ablehnenden Haltung gegen\u00fcber der kirchenfeindlichen NS-Ideologie keinen Hehl und predigte auch in diesem Sinne. Dies f\u00fchrte dann Ende 1933 zu einem Besuch der SS und einem Streitgespr\u00e4ch bez\u00fcglich der Abonnierung des gleichgeschalteten \u201cNeuen T\u00fcbinger Tagblattes\u201d. Da er diese ablehnte, wurde er als \u201cverd\u00e4chtig\u201d notiert und bei der Politischen Polizei (sp\u00e4ter Gestapo) angezeigt. Man vermutete ihn dann schon \u201eauf dem Heuberg\u201c (das fr\u00fcheste Konzentrations-\/\u201cSchutz\u201chaftlager im Raum W\u00fcrttemberg\/Baden von M\u00e4rz bis Dezember 1933) und glaubte, dass er nun auf der \u201eListe\u201c der neuen Machthaber sei, da hunderte deutsche, meist kath. Pfarrer, in Lagern verschwanden. Die darauffolgende Einbestellung beim Landrat und dem Kreisleiter der Partei konnte er aber dann argumentativ f\u00fcr sich entscheiden und ging einige Monate sp\u00e4ter nach W\u00fcrzburg um dort seine neue Stelle anzutreten.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr seine Verdienste erhielt er vom Papst 1952 den Ehrentitel \u201cApostolischen Protonotar\u201d und 1959 das Bundesverdienstkreuz.<\/p>\n\n\n\n<p>Weitere Informationen zu seiner Person finden sich in seiner Personalakte im Di\u00f6zesanarchiv (Akte G 1.7.1. Nr. 2663), im kath. \u201eSonntagsblatt\u201c Nr. 9, Seite 8-10 vom 03.03.1963 und unter: http:\/\/www.se-am-dreifaltigkeitsberg.de\/spaichingen\/geschichte\/generalvikar-august-hagen\/<\/p>\n\n\n\n<p>Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als \u201eFundst\u00fccke\u201c beitragen m\u00f6chte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte \u00e4t hwv-ammerbuch punkt de).<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\">F\u00fcr die AG \u201ePoltringer Ortsgeschichte\u201c, Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 \u201eDr. Dr. August Hagen \u2013 Pfarrer, Kirchenrechtler, Generalvikar und `Aufr\u00fchrer\u00b4\u201c Der als Sohn eines Bauern und Webers 1889 in Spaichingen geborene und 1963 dort gestorbene Dr. sc. pol. Dr. theol. August Hagen, der 1928-1936 Pfarrer in Poltringen war, galt in NS-Kreisen als Aufr\u00fchrer, der es der Partei schwer machteContinue reading &rarr;<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[12],"tags":[],"class_list":["post-2635","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-poltringer-heimatgeschichte","no-thumb"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2635"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2635\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2989,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2635\/revisions\/2989"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}