{"id":2245,"date":"2019-02-12T21:30:33","date_gmt":"2019-02-12T21:30:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2245"},"modified":"2023-02-04T20:33:39","modified_gmt":"2023-02-04T20:33:39","slug":"2245","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/?p=2245","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<h2><strong>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 Wie Poltringen fast einen Bahnhof bekommen h\u00e4tte!<\/strong><\/h2>\n<p><a href=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/HWV-AG-geplanter-Poltringer-Bahnhof.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.hwv-ammerbuch.de\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/HWV-AG-geplanter-Poltringer-Bahnhof-300x231.jpg\" alt=\"HWV AG - geplanter Poltringer Bahnhof\" width=\"300\" height=\"231\" \/><\/a>Als um die vorletzte Jahrhundertwende die Ammertalbahn geplant wurde (ca. 1890), war anfangs ein Streckenverlauf nicht \u00fcber Entringen, sondern durch das Ammertal geplant. Dadurch h\u00e4tte auch Poltringen einen eigenen Bahnhof bekommen. Dieser w\u00e4re heute am Ortsausgang Richtung Oberndorf im Winkel zwischen dem \u201eWendelsheimer Weg\u201c, Engwiesenbach und der \u201eWasenbreite\u201c zu finden gewesen. Die weitere Bahnlinie w\u00e4re hinter der Clemenskirche parallel zur heutigen Aiblestra\u00dfe und auf dem Ammerbegleitweg am Schlo\u00df und Stephanuskirche vorbei auf der s\u00fcdlichen Ammerseite bis Reusten verlaufen. (Bildunterschrift: Bahnlinienverlaufsplan von 1909 aus dem Stadtarchiv T\u00fcbingen)<br \/>\nZudem gab es auch Pl\u00e4ne f\u00fcr eine Querverbindungsbahn ab Pf\u00e4ffingen \/ Unterjesingen nach Rottenburg. Diese wurden aber nach Inbetriebnahme der Ammertalbahn 1910 nicht weiterverfolgt.<br \/>\nWie kam es nun dazu, dass es nichts wurde mit dem Poltringer Bahnhof? Hierzu gibt es mehrere Thesen (aus \u201eAngelokt \u2013 100 Jahre Ammertalbahn im Landkreis T\u00fcbingen\u201c von Dr. Wolfgang Sannwald, Hg., 2009):<br \/>\n1) In Poltringen setzte sich besonders Schulthei\u00df Schmid f\u00fcr den Bau der Bahn durch die Gemeinde ein. Als verh\u00e4ngnisvoll erwies sich jedoch, dass der Bahnhof auf einem Acker stehen sollte, der dem Schulthei\u00dfen selbst geh\u00f6rte. Einige \u201eHetzer, Schreier und Neider\u201c brachten einen gro\u00dfen Teil der B\u00fcrgerschaft gegen Schmid auf: \u201eder Dicksack will nur seinen Acker teuer verkaufen\u201c und sei deshalb aus Eigennutz f\u00fcr den Bahnbau. Aus kommunalpolitschen Gr\u00fcnden verzichteten die Poltringer im Zuge dieser sachfremden Debatte auf den unmittelbaren Bahnanschluss. Erst am Er\u00f6ffnungstag sahen sie, \u201ewelch gro\u00dfer Vorteil ihnen f\u00fcr ewige Zeiten entgangen ist\u201c.<br \/>\n2) Eine zweite These sieht wirtschaftliche Gr\u00fcnde f\u00fcr die Strecken\u00e4nderung, da mit dem Streckenverlauf \u00fcber Entringen Holz aus dem Sch\u00f6nbuch und vor allem Gips aus dem Gipswerk als Frachtg\u00fcter die Rentabilit\u00e4t der Ammertalbahn damals positiv beeinflussten. Zudem war schon damals Entringen gr\u00f6\u00dfer als Reusten und Poltringen zusammen und bot das gr\u00f6\u00dfere Fahrgastpotential.<br \/>\n3) Eine weitere These besagt, dass die f\u00fcr das Ammertal zust\u00e4ndigen Landtagsabgeordneten, die auf Hohenentringen bzw. Schloss Roseck lebten und im zweiteren Fall mit einer Frau aus Breitenholz verheiratet waren, pers\u00f6nliche Interessen bez\u00fcglich eines Streckenverlaufs \u00fcber Entringen hatten.<br \/>\n4) Zudem muss man auch sehen, dass ein Bahnbau auf der eigenen Gemarkung hohe Kosten f\u00fcr die jeweilige Gemeinde bedeutete (z.B. kostenlose Landabgabe f\u00fcr Gleisk\u00f6rper und Bahnhofsgel\u00e4nde, Geldzusch\u00fcsse sowie Gestellung Betriebswasser) bei Unklarheit, ob sich diese Investition zuk\u00fcnftig auch lohnt. Poltringen war ja keine wohlhabende Gemeinde und hatte sich mit dem Kauf des Schlossgutes einige Jahre davor (1890) verschuldet.<br \/>\n5) Des Weiteren bef\u00fcrchtete man in dem rein landwirtschaftlich gepr\u00e4gten Dorf mit einem Bahnanschluss und etwaigen gr\u00f6\u00dferen Industrie- und Gewerbeansiedlungen, die ja dann auch in Pf\u00e4ffingen erfolgten, sowie der damit m\u00f6glichen gr\u00f6\u00dferen Mobilit\u00e4t nach und aus Poltringen heraus negative \u201emoralische Einfl\u00fcsse\u201c u.a. auf die Dorfjugend.<\/p>\n<p>Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als \u201eFundst\u00fccke\u201c beitragen m\u00f6chte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte \u00e4t hwv-ammerbuch punkt de).<\/p>\n<p>F\u00fcr die AG \u201ePoltringer Heimatgeschichte\u201c, Boris Dieter<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte \u2013 Wie Poltringen fast einen Bahnhof bekommen h\u00e4tte! 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