Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Entstehung des Poltringer Klosters“

Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuwürttembergischen Lagerbüchern werden diese auch „Schwestern von Oberkirch“ genannt. Erstmals schriftlich erwähnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff Sälder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz Sälder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges älter, denn im Bebenhäuser Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am „Nunnenbrunnen“ genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich „Täle“ / „oberhalb der Stephanuskirche“ zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstraße liegen.

Begründet wurde das Kloster gemäß einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gründungsdatum, die Namen der Gründerinnen, noch deren Mitschwestern über die Jahrhunderte überliefert.

Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Diözese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: „Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10½ ß pro novem sororibus in presentia Georii Xeß, civis Tubingensis.“ (dt.: „Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden für ihre Person und 10½ Schilling für die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xeß, Bürger von Tübingen“. Der erhobene Steuersatz für die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der Äbtissinen der erheblich größeren und älteren Frauenklöster von Säckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schließen lässt.

Bei Gregor Xeß könnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in ähnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der Sülchenkirche erwähnt. Da er ein Bürger der Stadt Tübingen war, könnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt Tübingen standen.

Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den „Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz“ von 1941 für den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen bestätigt hatte.

Ausschnitt aus B 33 Büchel 63 HStA „Ansichten der gräflich wolkensteinischen, teils eigenen, teils lehenbaren Schlösser samt Gärten, Umland, Neben- und Wirtschaftsgebäuden in Poltringen 1695“, (Nr. 22 „Ammerbach“ mit Furt ohne Brücke, Nr. 23 „St. Stephanus-Kirche“ mit Turm damals Richtung Osten, Nr. 23 ½ „Nonnenhaus, samt zugehörigem Garten“, Nr. 24 „Weg auf Oberndorf“), im Hintergrund durchgehend Weinberge auf den Ammersüdhängen

Direkt an der Poltringer Pfarrkirche St. Stephanus bestand fast 400 Jahre lang ein Frauenkloster von Franziskaner-Terziarinnen. In den neuwürttembergischen Lagerbüchern werden diese auch „Schwestern von Oberkirch“ genannt. Erstmals schriftlich erwähnt ist dieses Kloster 1426 in einem Testament von Ruff Sälder aus Reusten und 1456 in einem Kaufvertrag mit Heinz Sälder aus Poltringen. Es war aber wohl um einiges älter, denn im Bebenhäuser Urbar von 1356 ist eine Wiese am (Ammer?) Ufer am „Nunnenbrunnen“ genannt. Vielleicht handelt es sich dabei um eine der drei Quellen, die im Bereich „Täle“ / „oberhalb der Stephanuskirche“ zwischen Friedhof und Bauhof zwischen Ammer und Kreisstraße liegen.

Begründet wurde das Kloster gemäß einer Chronik des Franziskanerordens von 1686 durch zwei reiche Schwestern wohl vor 1300. Diese lebten dann selbst dort. Das Kloster wurde von bis zu zehn Nonnen bewohnt. Leider sind weder das Gründungsdatum, die Namen der Gründerinnen, noch deren Mitschwestern über die Jahrhunderte überliefert.

Einzig in einer Steuerliste zum Gemeinen Pfennig der Diözese Konstanz von 1495 ist eine Vorsteherin Anna genannt: „Anna, mater sororum in Oberkirch prope Boltringen, dedit 1 fl. pro sua persona et 10½ ß pro novem sororibus in presentia Georii Xeß, civis Tubingensis.“ (dt.: „Anna, Mutter der Schwestern in Oberkirch, bei Boltringen, gibt 1 Gulden für ihre Person und 10½ Schilling für die neun Schwestern in Anwesenheit von Georg Xeß, Bürger von Tübingen“. Der erhobene Steuersatz für die Vorsteherin ist recht hoch und entspricht dem der Äbtissinen der erheblich größeren und älteren Frauenklöster von Säckingen und Basel-Klingental, was auf einen gewissen Wohlstand, wenn nicht der Gemeinschaft, so zumindest der Vorsteherin schließen lässt.

Bei Gregor Xeß könnte es sich um einen Pfleger, eine Art Verwalter oder Aufseher in wirtschaftlichen Dingen, gehandelt haben. Er ist, wahrscheinlich in ähnlicher Rolle, auch zeitgleich bei den Schwestern an der Sülchenkirche erwähnt. Da er ein Bürger der Stadt Tübingen war, könnte es sein, dass beide Gemeinschaften unter einem gewissen Einfluss der Stadt Tübingen standen.

Wann sich die Frauen den franziskanischen Tertiarinnen angeschlossen haben, ist ebenfalls nicht bekannt. Allerdings ist in den „Regesten zur Geschichte der Bischöfe von Konstanz“ von 1941 für den 12.05.1444 dokumentiert, dass der Generalvikar die Statuten der der Meisterin und der Schwestern der Klause Oberkirch bei Poltringen bestätigt hatte.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Nonnenhaus 1647 zerstört, dann wiederaufgebaut, stand aber seit 1665 leer. Die bisher beste und früheste bekannte Darstellung stammt von 1695. Sie zeigt ein ansehliches und großes, fast die damalige Kirche vor dem Umbau (ab 1750) überragendes Klostergebäude direkt südlich der St. Stephanus-Kirche. Eine zweite ähnliche, aber bildlich ungenauere Darstellung stammt von 1705 (hier nicht abgebildet). Auf späteren Karten im Zeitraum von 1705-1750 findet sich bisher kein Hinweis mehr auf das Kloster und es ist zu vermuten, dass es mangels Bedarfs und wegen Baufälligkeit abgebrochen wurde. Vielleicht auch um Baumaterial für den Umbau der Kirche zu erlangen. Lediglich Gewannnamen wie „Nonnengärtchen“ (Teil des heutigen Friedhofs) oder „Nonnenweinberg“ (am Hang nördlich der St. Stephanus-Kirche) erinnern heute noch an das Kloster.

Wer hierzu noch weitere vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

INFOS ZUM POLTRINGENBUCH

Da es immer wieder diverse Fragen rund um das Poltringenbuch gibt, hier eine Zusammenstellung der wichtigsten Fragen und Antworten.

Sind die Artikel im Buch identisch mit den Artikeln im Amtsblatt?

Ja und Nein, für das Buch wurden die im Amtsblatt veröffentlichten Artikel oft überarbeitet:

  • der Text wurde in vielen Fällen aktualisiert und detailliert
  • die Bilder sind nun alle in Farbe statt schwarz-weiß abgebildet
  • die Bilder sind größer abgebildet wie im Amtsblatt
  • es wurden zudem viele neuen Bilder eingefügt

Sind im Buch alle bis April 2020 (Veröffentlichungsdatum des Buches) erschienenen Artikel enthalten?

Nein, im Buch finden sich von den bis April 2020 erschienenen fast 70 heimatgeschichtlichen Artikeln nur 50. Ein Teil wird aber überarbeitet in dem Anfang 2021 erscheinenden Buch über die Ammerbucher Heimatgeschichte mit fast 40 Artikeln enthalten sein.

Gibt es Leseproben des Buches?

Ja, drei Doppelseiten des Buches können als Leseprobe auf der Homepage des Verlages als Vorschau eingesehen werden: https://neckaralb-verlag.de/boris-dieter-50-geschichten/

Gibt es eine Besprechung des Buches?

Ja, eine solche Besprechung des TAGBLATT ist am 17.12.2020 erschienen und kann beim TAGBLATT online oder auf der Verlags-Homepage eingesehen werden: https://neckaralb-verlag.de/50-geschichten-im-tagblatt/

Kann ich das Poltringenbuch nur beim Verlag erwerben?

Nein, Verkaufsstellen des Buches sind die Postagentur und Schreibwarenhandlung „Papier Kittel“ (Poltringer Hauptstr. 49) oder die Palmberghütte zu den Öffnungszeiten, der Ortsvorsteher Herr Hess im Poltringer Rathaus zu den Sprechzeiten (Poltringer Hauptstraße 45), die 1. Vorsitzende des HWV Margot Sailer (Pfalzgrafenring 5) und beim Autor Boris Dieter (Poltringen, Schickhardtring 15). Verkauf über den Verlag oder den Buchhandel erfolgt nur in Einzelfällen.

Kann ich das Poltringenbuch auch kontaktfrei und kostenlos geliefert bekommen?

Ja, wenn Sie in Ammerbuch, Unterjesingen und Oberndorf wohnen. Außerhalb des Liefergebietes ist in Deutschland gerne Postversand gegen 3,10 EUR Porto- und Verpackungsaufschlag möglich.

1. Sie bestellen das Buch per Mail unter heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de oder per Anruf unter 07073-300 769 oder -21 27

2. wir bringen Ihnen ein eingeschweißtes Buch per Übergabe mit Abstand vorbei (gerne auch zu vereinbartem Termin)

3. Sie geben uns den Kaufpreis von 20 EUR in bar bei der Übergabe

Wem kommt der Erlös des Buches zugute?

Der Erlös des Buches kommt zu 100% der Vereinsarbeit des Heimat- und Wandervereins Ammerbuch e.V. zugute. Kosten wie Druck, Verlag, Lieferung, Bildrechte, Honorare etc. sind, auch durch Unterstützung unserer Sponsoren Volksbank Ammerbuch und IBM, schon erstattet.

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Poltringenbuch – Kontaktfreier und kostenloser Lieferservice in Ammerbuch, Unterjesingen und Oberndorf

Wer aus Sicherheitsgründen die fünf offiziellen Verkaufsstellen (u. a. Papier Kittel) nicht nutzen möchte oder bisher keine Möglichkeit hatte das Buch zu erwerben, dem bieten wir gerne einen kostenfreien Lieferservice in Ammerbuch, Unterjesingen und Oberndorf mit Abstand an (außerhalb des Liefergebietes ist gerne Postversand gegen 3,10 EUR Porto- und Verpackungskostenaufschlag möglich):

  1. Sie bestellen das Buch per Mail unter heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de oder per Anruf unter 07073-300 769 oder -21 27
  2. wir bringen Ihnen ein eingeschweißtes Buch per Übergabe mit Abstand vorbei (gerne auch zu vereinbartem Termin)
  3. Sie geben uns den Kaufpreis von 20 EUR in bar bei der Übergabe

Viel Spaß dann bei der Lektüre!

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Weihnachts- und Neujahrsgrüße

Zurückblickend war das Jahr 2020 nicht nur für unseren Heimat- und Wanderverein ein schwieriges Jahr. Viele Veranstaltungen wie das Fest der Sonnenwende, die Disco mit dem Oldie Team des Poltringer Jugenclubs und unser 50 – jähriges Vereinsjubiläum konnten nicht stattfinden. Geplante Wanderungen durften nicht durchgeführt werden und die Palmberghütte musste schließen.

Trotzdem gab es einige Lichtblicke. (Die jeweils geltenden Bestimmungen der Corona-Regeln wurden natürlich eingehalten) Dazu gehörten der Verkauf von Zwiebelkuchen, ein Arbeitseinsatz und eine Wanderung zum Arboretum in Grafenberg! Auch unser Heimatbuch (Autor Boris Dieter) fand guten Anklang bei der Bevölkerung.

Wir wünschen unseren Vereinsmitgliedern und der gesamten Ammerbucher Bevölkerung in diesen schwierigen Zeiten, die von Einschränkungen und Sorgen geprägt sind besinnliche, ruhige und gesegnete Weihnachtstage sowie Gesundheit, Mut und Zuversicht für das neue Jahr 2021.

Die Vorstandschaft des Heimat- und Wanderverein Ammerbuch e. V.

Neues Poltringer Heimatbuch – Die Geschenkidee zu Weihnachten

Das neue Heimatbuch über Poltringen gibt es an den u. g. Verkaufsstellen. Kurzweilig und informativ sind die fünfzig Texte aus der Poltringer Ortshistorie – sie reichen von der Eiszeit bis in die Gegenwart. Sie sind mit über 70 Bildern und Karten versehen, die teilweise bisher unveröffentlicht waren.

Das Buch erscheint aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des HWV. Der Erlös des Buches unterstützt die Vereinsarbeit des HWV. Die Auflage ist limitiert.

Zum Preis von 20 EUR ist das Buch erhältlich bei:

  • Postagentur Papier Kittel (Poltringer Hauptstr. 49)
  • Ortsvorsteher Herr Hess im Poltringer Rathaus zu den Sprechzeiten (Poltringer Hauptstraße 45)
  • bei der 1. Vorsitzenden des HWV Margot Sailer (Pfalzgrafenring 5 oder Tel. 07073/2127)
  • oder beim Autor (Schickhardtring 15)

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Poltringer Grenzsteinzeuge“

Poltringer Grenzsteinzeuge aus Ton, ca. 5 cm Kantenlänge, ca. 19. Jahrhundert, Privatbesitz Fam. Wesselmann, Poltringen, Bild: B. Dieter, Mai 2020

Um das Versetzen von Grenzsteinen zu verhindern oder nachzuweisen beziehungsweise Grenzstreitigkeiten zu klären, wurden besonders in Württemberg unter den Grenzsteinen früher sogenannte „Grenz- oder Marksteinzeugen“ oder „Zeugen“ vergraben. Das Wort stammt von dem mittelhochdeutschen Wort „(ge)ziuc“ für „Zeugnis, Beweis“. Jede Gemeinde hatte hier ihr eigenes Motiv.

Von Poltringen ist die untenstehende Art von dreieckigen Tonzeugen mit dem Schlossmotiv erhalten. Es wurde aber auch teilweise statt Tontafeln ein Stück Kohle, Bruchstücken von zerschlagenen Steinen, Dachplatten, Ziegelstücken oder Kieseln – diese mussten an einem Grenzstein zusammenpassen – sowie Glas, Topf- oder Porzellanscherben, Münzen oder auch mit dem Boden nach oben vergrabene Glasflaschen verwendet.

Für das Verlegen der Zeugen unter die Grenzsteine waren die Feldgeschworenen (in Poltringen „Untergänger“ genannt) zuständig. Sie entschieden bei Grenzstreitigkeiten mit Hilfe ihres „Zeugengeheimnisses“ über den Standort eines Steins. Bei der Verzeugung durfte daher außer den Untergängern niemand zugegen sein. Zu ihren Aufgaben gehörte auch der Grenzgang, bei dem in regelmäßigem Turnus der Grenzverlauf abgegangen und Grenzsteine kontrolliert wurden.

Wer einen solchen Poltringer Grenzsteinzeugen aus Ton abzugeben hat oder andere Motive kennt, kann sich gerne beim Autor melden.

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Heimatgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Die Grenzbeschreibung von 1767“

Eines der ältesten Dokumente im Poltringer Ortsarchiv ist eine Beschreibung der Grenzen der Gemarkung, der Grenzsteine und deren Lage von 1767. Dass es nur wenige Dokumente gibt, die älter als 1800 sind, liegt wahrscheinlich daran, dass es Ende des 18. Jahrhunderts zu einem Brand des Poltringer Rathauses kam, dem wohl leider fast alle Unterlagen und beim Wiederaufbau übrigens auch der früher bestehende Turm des Rathauses zum Opfer fielen.

Abschlussblatt der Grenzbeschreibung mit Bestätigung, Siegeln und Unterschriften von 1767, Ortsarchiv Poltringen, B 39, Bild: B. Dieter, Juni 2020

Aus dem gebundenen Buch, das die handschriftliche und sehr sorgfältige Beschreibung der Gemarkungsgrenzen beinhaltet, finden Sie hier drei Seiten in Abschrift (Textübertragung mit Unterstützung von Joachim Renschler, Ellwangen, und Reinhold Bauer, Entringen), welche die Standorte der Grenzsteine 1 und 67 (von insgesamt etwa 100) bezeichnen und zudem die formelle Abschlussbestätigung der Grenzbeschreibung enthalten:

1. Blatt

Poltringen

Des gemeinen Fleckens allda

gantzen Zehenden -Bezircks

Zwäng und Bänn Beschreibung,

besagend

Den gantzen Um-Krayß desselben

alle Zehend – Stein und Läufer, wo

solche stehen, wie sie gezaichnet,

und wie weit je einer von dem

dem andern entfernet sey.

Nro: 1.

Angefangen wurde, in Zellg Malmen,

im Schopfenloch, bey demjenigen Stein,

so fornen an Friederich Sailers Acker am

Rhein, neben dem Weeg stehet, ist ein

alter gehauener Stein, mit einem dop-

pelten Winckelhacken, gegen Poltringen,

mit einem Eber – gegen Entringen, mit

einer Endten, und gegen Pfäffingen, mit

einem Adler, alß jeden Orths, Wappen

signirt, und mit Nro: 1. Gegen Poltringen

bezaichnet. Und dann von diesem Stein an…….. (Fortsetzung nächste Seite; Randbemerkungen von 1859 nicht übertragen)

2. Blatt

Deß gemeinen Flecken allda.

Zwäng und Bänn

Poltringen Pfäffinger Wald so fort,

zwischen Fideli Kittels von Poltringen

Ludwig Wellhäußers von Poltringen,

dem Wendelsheimer Commun Wald, und

Matthäus Wolffen von Poltringen Wald,

wo dieser viererley Wäldr von Poltringen.

Pfäffingen, Wendelsheim, und Obern-

dorfer Marckung zusammenstoßen,

auf einem ebnen Platz; Ein alter ge-

hauener Stein mit der Jahr-Zahl 1570.

Gegen Poltringen den Buchstaben B. gegen

Pfäffingen dem Buchstaben P. gegen Wendels-

heim ein W. und gegen Oberndorf mit

dem Buchstaben O. bezaichnet; Oberndorf

aber mit einer durchgehenden Kreutz Rinne

und diß ist derjenige Bannstein, wo sich

Pfäffingen von Poltringen gäntzlich

abschaidet: Von diesem Zehend – Stein gehet

es dann nach einem Wenckelhacken

zwischen Poltringen und Oberndorf.

(Randbemerkungen nicht übertragen)

3. Blatt

Poltringen

Deß gemeinen Flecken allda

Zwäng und Bänn

Gegenwärtiger Zehend-Stein, und

Gräntz- schaidungs Beschreibung,

allerseits wohl zufrieden waren, auch

bey der von gemeinschaftlichem-

hochlöbln. hiesigen Orths Resp.

Oberamt geschehenen Publication,

nicht das geringste darwider ein-

zuwenden gehabt, weßwegen sie

auf ein Sölches mit ihren eigen-

händigen Nahmens Unterschriften,

bekräfftiget und geldtend gemacht,

Signatum Poltringen den 1. ten Junii 1767

LINKE SPALTE T. Schultheis und Feldrichtere zu Reisten, Johann Michel Reichert, Martin Buchfink, Hans Jerg Haupt, Hans Martin Bühler, Jakob Bihler

RECHTE SPALTE T. Pfäffingen den 16 Junius, Schultheis und Richter Jakob Hoeckh und Untergänger, Hans Joerg Frauendiener, Hans Jakob Sautter, Jerg Höckh

Texte bei Siegeln am linken Rand:

Ex parte öster. T. Johann Evang. Sallwürkh Depu= … selbst und Poltringer Verwalter (bürgerliche Wappen mit Bündel von drei Säbeln / Ähren o.ä., neben nicht erkennbarer Helmzier Buchstaben F & E)

Ex parte Württemberg/Expedit: Rath und Staabskeller W. J. Herrmann (bürgerliche Wappen mit Stabträger / Fackelträger / Bogenschütze o.ä., Helmzier Geisbock)

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Neues Poltringer Heimatbuch – Die Geschenkidee zu Weihnachten

Das neue Heimatbuch über Poltringen gibt es an den u. g. Verkaufsstellen. Kurzweilig und informativ sind die fünfzig Texte aus der Poltringer Ortshistorie – sie reichen von der Eiszeit bis in die Gegenwart. Sie sind mit über 70 Bildern und Karten versehen, die teilweise bisher unveröffentlicht waren.

Das Buch erscheint aus Anlass des 50-jährigen Jubiläums des HWV. Der Erlös des Buches unterstützt die Vereinsarbeit des HWV. Die Auflage ist limitiert.

Zum Preis von 20 EUR ist das Buch erhältlich bei:

  • Postagentur Papier Kittel (Poltringer Hauptstr. 49)
  • Ortsvorsteher Herr Hess im Poltringer Rathaus zu den Sprechzeiten (Poltringer Hauptstraße 45)
  • bei der 1. Vorsitzenden des HWV Margot Sailer (Pfalzgrafenring 5 oder Tel. 07073/2127)
  • oder beim Autor (Schickhardtring 15)

Katrin Flaisch | Schriftführerin

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „Gefallene 1941-45“

Die ersten gefallenen Poltringer gab es erst zwei Jahre nach Kriegsbeginn 1941 (Überfall auf Sowjetunion). Insgesamt gab es 55 Gefallene, von denen aber nur 51 im Heimatbuch von 1971 und nur 54 auf der Gedenktafel in der Aussegnungshalle auf dem Friedhof genannt sind.

Aus unbekannten Gründen sind im o.g. Heimatbuch von 1971 nicht genannt (aber auf den später angebrachten Tafeln in der Aussegnungshalle):

Gramer, Josef *09.02.1915 +1943 (genaues Datum und Ort bisher nicht ermittelbar)

Keller, Ignaz *10.05.1920 +wahrscheinlich am 21./22.12.1942 (bei Astrahoff/Donbogen, Russland)

Keller, Otto *23.02.1919 +wahrscheinlich nach 03.03.1945 (bei Westwort bei Arnheim / Niederlande)

Weder im vorgenannten Heimatbuch noch auf der Gedenktafel in der Aussegnungshalle ist genannt der Stabsarzt Dr. Gottlieb Baumetz (*1903, +1945, genaues Datum und Ort unbekannt). An der Friedhofsmauer nördlich der St. Stephanus-Kirche steht aber heute noch das Familiengrab, in dem er bestattet wurde und wo ihm gedacht wird.

Ein Sonderfall ist die Familie Anton Sailer, der nach Unterlagen im Ortsarchiv anfangs auch auf der Gedenktafel gedacht werden sollte. Sie war bei der verheerenden Bombardierung Pforzheims am 23.02.1945 ums Leben gekommen. Der Angriff und darauffolgende Feuersturm forderte in dieser Nacht dort etwa 17.600 Tote (ca. 7.600 standesamtlich dokumentiert, der Rest dauerhaft vermisst, da man keine Leichen fand, diese teilweise erst bis in die 60er Jahre hinein immer wieder fand oder diese nicht oder nicht rasch genug identifizieren konnte) bzw. 20-30% der Einwohner und zerstörte 85-98% der Bauten im Stadtgebiet. In Relation zur Einwohnerzahl forderte dieser Angriff die bisher höchste Opferzahl in einer Stadt im Bombenkrieg in Deutschland.

Bürodiener Anton Sailer stammte aus Poltringen und wurde dort 1889 geboren. Er war jedoch vor dem Krieg nach Pforzheim verzogen und war an der Westlichen Karl-Friedrich-Str. 58 mitten in der Innenstadt wohnhaft. Er starb im Keller seiner Wohnstätte zusammen mit seiner Ehefrau Maria Magdalena (Lina), geb. Bröckel (53) aus Bichishausen sowie den drei Töchter Annemarie (24), Elfriede Sofia (22) und Ruth Irmgard (16), wo sie vor der Bombardierung Schutz gesucht hatten. Da das relativ neue, massive Geschäftshaus („Hansahaus“) nur im oberen Teil zerstört wurde, waren sie wahrscheinlich im Keller durch den Sauerstoffentzug durch den massiven Feuersturm wie hunderte andere in Altstadtkellern erstickt. Am 09.03.1945 wurden sie bestattet. Da sie vor und während des Krieges nicht mehr in Poltringen wohnhaft waren, wurde wohl dann auf Erwähnung auf der Gedenktafel verzichtet, weil ein Gedenken in Pforzheim stattfindet.

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Funde aus der Poltringer Ortsgeschichte – „St. Georg in der Friedhofmauer“

Wer aufmerksam die Friedhofsmauer von Poltringen an der Nordostecke zum Ort hin betrachtet und dies zu Jahreszeit tut, zu welcher der dortige Efeu noch nicht wuchert, dem fällt dort ein sehr schönes Relief auf. Dieses zeigt den mit dem Drachen kämpfenden St. Georg, der u.a. auch Schutzheiliger der Soldaten ist.

Das Relief stammt eigentlich von einem früheren Gefallenenehrenmal von 1914/18, das nicht weit vom jetzigen Standort in der Nordostmauer des Chores der St. Stephanus-Kirche außen eingelassen war. Dieses Ehrenmal wurde dann bei der Renovierung der Kirche von 1956-60 entfernt und das Relief in die Freidhofsmauer eingebaut. Beim Bau der neue Aussegnungshalle 1972 wurden die Gefallenennamen des 1. Weltkrieges dann dort wieder auf Tafeln aufgehängt.

Das Relief und das Ehrenmal wurden von Prof. Karl Kuolt (1879-1937), dem bekannten Spaichinger Künstler, geschaffen. Er war besonders gefragt für seine sakrale Gebrauchskunst wie Grabmale, Denkmäler und Kapellen. Berühmt sind zudem heute noch seine unverwechselbaren Krippenfiguren, die im Spaichinger Gewerbemuseum zu sehen sind. Diese werden immer noch in Südtirol nachgefertigt und in einer von ihm gestalteten Krippe im o.g. Museum hat er sich selbst als einer der Heiligen Drei Könige verewigt.

Leider ließen sich bisher weder im Orts-, Pfarr-, Diözesanarchiv oder im Nachlass des Künstlers Bilder des ursprünglichen Ehrenmals finden.

Wer hierzu vertiefende Informationen beitragen kann oder andere Geschichten als „Fundstücke“ beitragen möchte, kann sich gerne bei unserer AG melden (heimatgeschichte@hwv-ammerbuch.de).

Für die AG „Poltringer Ortsgeschichte“, Boris Dieter

Bildunterschrift: St. Georg-Relief, Nordostecke Friedhofsmauer Poltringen, Maße 150 cm breit und 70 cm hoch, Sandstein, Bild: B. Dieter, Mai 2020